Ehrlich gesagt freue ich mich schon seit ein paar Tagen auf das 12 von 12 im August. Denn heute ist eine Sonnenfinsternis angekündigt mit 90 %. Und das im Abendhimmel. Ich bin wirklich gespannt, ob wir was sehen. Wenn ja, wird es das letzte Bild in diesem 12 von 12 im August sein. Ansonsten ist der Tag ein normaler Arbeitstag, meist vor dem PC. Also fangen wir an.


Mein Morgen beginnt mit zwei Schüssler-Salzen Nr. 3, da mein Mann krank ist. Die nehme ich vorbeugend, denn irgendwie niese ich derzeit etwas mehr und habe auch so ein merkwürdiges Kribbeln im Hals. Hoffentlich hilfts!

Vor der Arbeit war ich noch schnell im EDEKA einkaufen. Seit sie die Öffnungszeiten auf 7 Uhr vorverlegt haben, nutze ich das gerne, um früh einkaufen zu gehen. Dann ist es ruhig und im Sommer noch schön kühl.

Die Rolläden im Arbeitszimmer bleiben heute unten, denn die Sonne bringt schon ordentlich Wärme hinein. Ich habe sie nur ein wenig geöffnet, um dir den Ausblick ins Grüne aus meinem Fenster zu zeigen.

Passend dazu habe ich ein schönes Sehnsuchts-Bildschirmbild, welches mich beim Einschalten des PCs begrüßt. Ansonsten herrscht das normale Bürochaos auf dem Schreibtisch.

Da ich am Vormittag noch Zeit habe neben meinen beiden anderen Jobs der Werbeagentur und als Bloggerin, widme ich mich ein wenig einer neuen Tradingstrategie. Ich bin noch Anfängerin und übe fleißig.

Mein Frühstück am Mittag ist unspektakulär. Ein Shake mit meinen Wechseljahres-Pülverchen von XbyX. Danach gibt es einen schönen Milchkaffee.

Am Nachmittag geht es nach dem Wäsche aufhängen wieder an den PC. Dieses Mal ist eine Optimierung von Blogartikeln dran. Ich habe das sehr intensiv in den letzten drei Wochen gemacht und tatsächlich verbessern sich die Zahlen leicht in der Google Search Console.

Danach schneide ich noch ein Video für meinen Spotify-Kanal "Im Kopf weit. Im Herzen nah.". Dort kommen meine ganzen Videos von meinem YouTube-Kanal hin, aber es braucht immer noch ein gesprochenes Intro dafür. Das mache ich hier.

Nachmittags gibt es ein Zimtbrötchen gefüllt mit Pflaumenmus. Das ist echt lecker und ich überlege, ob Vanillesauce dazu passt.

Der Rasen im Garten entwickelt sich zu einer Steppenlandschaft, da es seit Wochen nicht wirklich geregnet hat. Ein trockener Sommer in diesem Jahr.

Zum Abendessen gibt es eine von meinem Mann (und Angler) selbstgemachte Fischfrikadelle mit Reis und Gurkensalat. Lecker!

Ich wollte nur schnell Wäsche abnehmen, da schaute ich nach links. Dann sah ich die Sonne durch das Balkongeländer der Nachbarn und machte direkt ein paar Bilder der Sonnenfinsternis. Yes!
Wenn es dir hier gefällt, lies auch gerne meinen Blog zu Hochbegabung und Underachievement.
Wenn wir über Lehrkräfte sprechen, erfahren wir meist nur Negatives. In diesem Jahr dachte ich anlässlich meiner Blogparade, ich drehe den Spieß einmal um. So habe ich im Juni dazu aufgerufen, eine Geschichte zu erzählen. Eine Erinnerung an eine Lehrkraft, die dich oder dein Kind besonders gefördert hat. Ich wollte wissen, was Lehrkräfte tun, wenn sie wirklich etwas bewirken. Die Ergebnisse haben mich sehr berührt, denn entstanden sind 6 berührende Geschichten, die alle um denselben Kern kreisen. Lehrkräfte können Türen öffnen und Leben verändern. Das ist mit den Geschichten deutlich geworden, die ich dir heute und hier als Ergebnis meiner Blogparade 2026 präsentieren möchte.

Jennifer Dillmann war die erste, die auf meine Blogparade mit einem eigenen Beitrag über ihren Kunstlehrer antwortete. Sie erzählte eine Begebenheit mit Herrn Hempel in der Grundschule. Mit einem besonderen „Maldiktat“ gab Herr Hempel Schritt für Schritt feste Anweisungen: Farben und Formen, ein roter Punkt in der Mitte, eine blaue Schlange und ein gelbes Quadrat. Das Ergebnis überraschte, denn am Ende sah jedes Bild anders aus, obwohl alle von derselben Vorgabe gestartet waren.
Sie schreibt über diese Situation: Herr Hempel war „der erste Lehrer, der mir das Gefühl gab, dass ich okay bin.“ Ich finde das sehr wertvoll, insbesondere im Hinblick darauf, dass Jennifer heute als Therapeutin arbeitet und in ihrer eigenen Arbeit dieselbe Haltung wiedererkennt: wertschätzen, was da ist, ermutigen und den Menschen vermitteln, dass sie okay sind, wie sie sind.

Sonas Artikel hat mich ganz besonders berührt. Denn sie erzählte nicht von sich, sondern von ihrem Sohn. Sie schrieb über seine Schulleiterin, die ihr auffälliges, störendes Kind eben nicht in die bequeme Schublade „Störenfried“ steckte. Stattdessen beobachtete sie ihn genau und erkannte, dass dieses Kind etwas anderes brauchte als weitere Ermahnungen.
So übertrug sie ihm Verantwortung und ernannte ihn zur Assistenz der Schulleitung. Seit dieser Zeit fügte er sich besser in das Schulgeschehen ein, was sicher auch daran liegt, dass er sich gesehen und ernst genommen fühlte. Das Schönste ist: Für Sona, die heute selbst als Coach mit Eltern und Schulen arbeitet, war das eine prägende Lektion. Sie sieht heute Talente statt Defizite, was nicht nur den Schulalltag eines Kindes verändert, sondern seinen ganzen Blick auf sich selbst.

Silke Schwerdtfeger ist selbst Pädagogin und schreibt über ihren Mathematiklehrer, der sie von der 7. bis zur 10. Klasse begleitete. Sie war eine ruhige, aber zurückhaltende Schülerin. Ihr Lehrer sah jedoch ihre Fähigkeiten und übertrug ihr verantwortungsvolle Aufgaben. Sie durfte ihre Klasse gegenüber der Schulleitung vertreten und organisatorische Aufgaben übernehmen.
Sie leitete irgendwann eine Grundschulgruppe und wurde davon sogar vom Unterricht freigestellt. Erst viele Jahre später wurde ihr bewusst, wie sehr sein Vertrauen, seine Erwartungen und die gemeinsame, positive Beziehung ihren eigenen Weg geprägt haben. Heute ist sie selbst Lehrerin, Schulleiterin und Lerncoach und gibt genau diese Haltung weiter.

Marianne Rott erzählt in ihrem Beitrag zu meiner Blogparade von ihrem ehemaligen Englischprofessor. Gerade weil sie sich nur als mittelmäßige Schülerin sah, überraschte es sie umso mehr, dass der Professor ihr eine Nachhilfeschülerin anvertraute. Er sah offenbar mehr in ihr, als die Note es vermuten ließ.
Sie erzählt noch von einem anderen Lehrer, der hinter den Schülern stand, egal, was sie anstellten. Diese zugewandte Haltung hinterließ bleibenden Eindruck bei ihr. Sie schreibt: „Der eine sah meine Fähigkeit. Der andere den Menschen dahinter.“ Diese Erlebnisse haben ihr unbewusst den Weg in die Pädagogik geebnet und Marianne lebt mit ebendieser Haltung ihre Berufung.

Dina Mazzotti erzählt eine bittersüße Geschichte ihrer Schulzeit. In der Grundschulzeit prägte sie ihr Lehrer mit der Möglichkeit zum selbstgesteuerten Lernen, mit Projektunterricht und seiner Haltung, die alles in Frage stellte, was als selbstverständlich galt. Er sah ihr Potenzial und setzte sich vehement dafür ein, dass Dina ein Gymnasium nach der 6-jährigen Grundschule besuchen sollte.
Sie entschied sich anders und besuchte eine andere Schule. Zu ihrem Leidwesen, denn diese Schule war das Gegenteil von dem, was sie vorher erlebt hatte. Sie erlebte Anpassungsdruck, Reproduktion von Wissen und Konformität. Diese Erfahrungen haben sicher dazu beigetragen, dass sie heute hochbegabten Kindern und Familien hilft, die vor großen Herausforderungen stehen.

Auch ich habe mich gefragt, welche Lehrkraft ich für meinen eigenen Beitrag zu dieser Blogparade auswähle. Am Ende blieb es bei meiner Grundschullehrerin Frau Welsch. Konkrete Anlässe habe ich davon kaum noch im Kopf. Was bleibt, ist ein Gefühl von Geborgenheit, Zuflucht und Gesehen werden. Sie hat mich durch meine Grundschulzeit getragen.
Denn auch ich fühlte mich oft nicht zugehörig und zweifelte oft an mir selbst. Frau Welsch konnte dies wenigstens im Rahmen der Grundschule auffangen und hat mir einen guten Start in meine weitere Schullaufbahn geebnet.
Meinen ganzen Beitrag liest du hier
Diese sechs Geschichten zeigen, worauf es in der Schule wirklich ankommt. Vergessen sind Lerninhalte und Methoden, Arbeitsblätter und Klassenarbeiten, Noten und Zeugnisse. Was wirklich in Erinnerung bleibt, sind Menschen, die eine besondere Haltung transportieren. Die neue Wege gehen und Dinge hinterfragen, die für andere selbstverständlich sind.
Das Eindrucksvollste für mich war dabei, dass diese Lehrkräfte die beruflichen Entscheidungen stark beeinflusst haben. Denn alle der Teilnehmerinnen, mich eingeschlossen, haben etwas mit Pädagogik zu tun. Das geschah nicht durch brillante Noten und ein hohes Wissen, sondern dadurch, dass wir alle uns gesehen fühlten, dass uns vertraut wurde und dass uns mehr zugetraut wurde, als wir uns selbst zutrauen.
Ich wünsche mir, dass dies viele Lehrkräfte lesen. Denn es sind die kleinen Dinge, die Kinder aufblühen lassen. Ein freundliches Wort, ein High-Five, ein „Wie geht es dir?“ und echtes Interesse am Kind. Es ist die eine Minute zwischendurch, in der ein kleines Gespräch entsteht. Oder die besondere Aufgabe oder Verantwortung, die dem Kind übertragen wird.
Diese Haltung schafft Selbstvertrauen. Gerade für hochbegabte oder neurodivergente Kinder, die oft anecken, ist diese Haltung so wichtig. Sie müssen und dürfen sich gesehen fühlen, bei all der Kritik, die sie eh schon erhalten. Daher sage ich von Herzen danke für diese berührenden Geschichten! Wenn auch du eine Lehrkraft im Kopf hast, die dich oder dein Kind besonders gefördert hat: Schreib sie gerne in die Kommentare. Solche Geschichten dürfen in die Welt.
Bullshit-Bingo "Hochbegabung” für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte.
Nie mehr sprachlos: 24 Mythen über Hochbegabung und ihre Auflösung.
Mein Lieblingsmonat Juli war wunderbar ruhig, und so konnte ich mich größeren Projekten widmen, die sonst zu kurz kommen. Warum der Monat mein Lieblingsmonat ist? Susanne hat Geburtstag, und das darf gefeiert werden. Aber nur ganz klein, denn im Grunde genommen habe ich in diesem Monat die Reset-Taste gedrückt. Meine Kunden sind im Urlaub und ich genieße den Blick in den Kalender, in dem für die nächste Woche kein einziger Termin steht. Das ist Erholung pur. Aber trotzdem gab es ein paar Highlights.
Anfang Juli traf ich mich mit einer Freundin im BeZett in Sinn. Das ist ein großartiges Restaurant, welches immer wieder im Wandel ist. Sowohl von der Dekoration als auch vom Angebot. Aus diesem Grund ist es einfach großartig dort. Ein freundliches Team, leckeres Essen in guter Qualität und viel Platz. Also war ich mit Katrin mal wieder dort frühstücken und habe mich gefreut, dass mein "Be-Egg-Burger" immer noch auf der Karte war. Ich liebe ihn! Ich freue mich schon auf das nächste Mal!
Klick einfach auf die Bilder, um sie dir ganz anzusehen.
Unser Sohn hat einen zweiten Raum beansprucht neben seinem Zimmer. Dort hat er sich ein kleines Heimkino eingerichtet. Doch zu diesem Anlass mussten viele Dinge weichen, die sich über Jahrzehnte in diesem Raum, welches eine Kellerbar war, angesammelt hatten. Wir sind ein Drei-Generationen-Haus, daher kommt da einiges zusammen. So haben wir einiges verkaufen können, aber auch vieles zur Tafel gebracht. Natürlich ist auch einiges in der grauen Tonne gelandet.
Und hier kommt meine Leidenschaft für alte schöne Dinge ins Spiel. Denn unter den Schätzen waren auch alte Kaffeeservices. Wenn ich Platz hätte, würde ich sie mir eine schöne Vitrine stellen. Aber es ist ja nur ein Auszug von den Dingen, die wir noch so haben. Also habe ich sie auf Kleinanzeigen eingestellt. Bisher ohne Erfolg. In der Nähe haben wir ein Café, welches Ihr Angebot auf solchen Services serviert. Doch die haben auch schon den ganzen Keller von solchem Geschirr voll stehen. Schade. Mal sehen, was wir damit machen. Bei Interesse kommentiere gerne den Beitrag.

56 Jahre sind jetzt nicht so spektakulär und irgendwie war es auch ein Tag wie jeder andere. Tatsächlich mache ich mir, je näher ich den "60" komme, mehr Gedanken darüber, wie es beruflich weitergeht. Aber das ist eine andere Geschichte. Jedenfalls hat mein Mann mich Abends zum Essen eingeladen. Weil unsere Lieblingspizzeria geschlossen hatte, sind wir spontan nach Wetzlar gefahren. Dort saßen wir in einem Biergarten bei Flammkuchen und Radler und haben den Blick auf die Lahn genossen. Das Schöne war, dass wir noch ein befreundetes Paar getroffen haben, und so wurde der 2-stündige Aufenthalt einfach mal auf 4 Stunden verlängert. Blöderweise hatte ich kein Handy mit, um Fotos zu machen. Ja, sowas gibt es auch.
Am nächsten Tag erhielt ich ein großes Paket. Eine Kundin hatte mir einen riesigen und wunderschönen Blumenstrauß zukommen lassen. Da ich Lilien liebe, hat sie mir Inkalilien zukommen lassen. Pink, gelb und weiß. Während ich diesen Artikel schreibe, steht dieser 9 Tage alte Blumenstrauß immer noch in seiner vollen Pracht neben mir. Ein wunderschöner Blickfang!
Aufgrund von wenigen Terminen habe ich die freie Zeit genutzt und endlich mal ein eigenes Online-Angebot ins Leben gerufen: "5 Online-Impuls-Abende: Hochbegabung & Underachievement verstehen". Ab dem 30. September geht es für 5 Wochen los mit Themen rund um Hochbegabung und Underachievement. Meine Zielgruppe sind Eltern und Lehrkräfte. Wenn du mehr erfahren möchtest, schau gerne hier. Die Abende sind einzeln, aber auch im Paket buchbar.
Meine Wechseljahre haben mich in diesem Monat besonders beschäftigt. Eigentlich wollte ich nach 8 Monaten schon den Sekt kaltstellen in Vorfreude auf die Menopause. Doch wurde meine Auszeit schmerzhaft unterbrochen. Ich war zwei Tage komplett ausgeschaltet und es dauerte danach noch ein paar Tage, bis ich wieder auf dem Damm war. Ehrlich gesagt, frustrierte mich das auch ganz schön. Aber ich habe auch hier wieder gelernt, dass die Tiefs dazu da sind, Schwung für das neue Hoch zu holen.
Nach ein paar Tagen kamen die Motivation und der Tatendrang zurück und ich konnte mich wieder anderen Dingen widmen. Also dann, die Uhr ist wieder auf Null gestellt, und ich hoffe, dass ich in einem Jahr kurz vor meinem 57. Geburtstag die Sektkorken knallen lassen kann.
https://susanneburzel.de/schulpflicht-statt-bildungsteilhabe/
https://susanneburzel.de/holschuld-eltern-bei-twice-exceptional/
https://susanneburzel.de/unerkannt-hochbegabt-und-weiblich/
Ich spüre schon jetzt, wie wieder Leben in alles kommt. Nach einem doch sehr ruhigen und auch entspannten Monat startet der August zwar auch erst noch ruhig, aber die ersten Termine kündigen sich an. Trotzdem werde ich im August endlich mein nächstes Buch beginnen. Das habe ich mir fest vorgenommen.
Besonders aber ist meine Vorfreude groß im Hinblick auf eine Lesung. Denn ich darf bei IRESA vor Mitarbeitenden der Jugendhilfe unsere Geschichte erzählen. Das ist einer der Orte, an denen Sensibilisierung zu Hochbegabung, Underachievement und Schulabstinenz so wichtig ist. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich hier wirken und hoffentlich auch etwas bewirken kann. Hier gibt es weitere Infos.
Bullshit-Bingo "Hochbegabung” für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte.
Nie mehr sprachlos: 24 Mythen über Hochbegabung und ihre Auflösung.
Zwei Kinder, die komplett anders sind als andere Kinder. Dazu noch Diagnostiken und zahlreiche Gespräche mit Institutionen. Als die Diagnose ADHS feststand, war die einzige Empfehlung, die ich bekam: Medikamente. Ohne Aufklärung und ohne Alternativen im Diagnostik-Gespräch. Daher hat mich das Thema der Blogparade von Sona Terlohr „Damit habe ich als Mutter nicht gerechnet“ direkt angesprochen. Das ist also mein Beitrag, und wir konzentrieren uns hier auf eine Begebenheit, die mich sprachlos gemacht hat. Ich erzähle ihn dir hier, weil ich mir wünsche, dass er anderen Müttern in einer ähnlichen Situation etwas Halt gibt.
Wenn du Kinder hast, wünschst du dir natürlich, dass sie gesund und einigermaßen normal aufwachsen. Dass sie Freunde finden, in Vereinen tätig sind, gut in der Schule mitkommen, irgendwann ihren Abschluss machen, um gestärkt in ihr eigenes, selbstständiges Leben zu starten.
Und dann bekommst du zwei Kinder, die diese Pläne über den Haufen werfen. Einfach so, ohne Vorwarnung. Du bist also völlig unvorbereitet, wenn du als Mutter zu Elterngesprächen im Kindergarten eingeladen wirst, weil dein Kind wieder einmal ein Marmeladenglas im Kakao versenkt hat oder sämtliche Wasserhähne in der Toilette aufgedreht hat. Die Empfehlung für eine Erziehungsberatung folgte.
Dann kam die Einschulung und mit ihr die erste Diagnostik. Denn nachdem die Erziehungsberatung wenig fruchtete, erhielten wir eine Empfehlung für eine ADHS-Diagnostik. Nach ein paar Terminen saßen wir mit der Psychologin an einem Tisch und besprachen die Ergebnisse. Das ADHS bestätigte sich, gepaart mit einer überdurchschnittlichen Begabung mit einem IQ von 121, die aber vernachlässigt wurde. ADHS steht für
Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung und zeigt sich unter anderem durch Impulsivität und Konzentrationsschwierigkeiten.
Bullshit-Bingo "Hochbegabung” für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte.
Nie mehr sprachlos: 24 Mythen über Hochbegabung und ihre Auflösung.
Am Ende des Gesprächs empfahl uns die Psychologin, dass unser Kind Medikamente nehmen sollte, um in der Schule gut mitzukommen. Diese Empfehlung machte mich erst einmal sprachlos, denn es war das Einzige, was sie dazu sagte. Wir wussten nun weder, was das ADHS wirklich bedeutete, noch, ob es Alternativen in der Therapie gibt.
Also fuhren wir mit dieser Empfehlung im Gepäck nach Hause. Wir fühlten uns allein gelassen, auch wenn dich so eine Diagnose erst einmal erleichtert. Denn du weißt endlich, was mit deinem Kind los ist. Auf der anderen Seite spürten wir eine gewisse Ratlosigkeit sowie Sprachlosigkeit über diese einzige Empfehlung, die wir schwarz auf weiß im Bericht vor uns liegen hatten.
Es ist schon eine Hausnummer, deinem Kind Medikamente zu geben, die in den öffentlichen Diskussionen damals als sehr umstritten galten. Also machte ich mich auf die Suche und begann zu recherchieren über ADHS. Was bedeutete das? Wie wirkte sich das aus? Was hilft, damit das Kind sich besser im Unterricht fokussieren kann? Was hat es mit dem Vorwurf der Modediagnosen auf sich?
Viele dieser Fragen stellte ich mir, immer auf der Suche nach einer Alternative zu den Medikamenten. Denn wir haben die Empfehlung für die Medikamente nicht einfach so hingenommen. Stattdessen haben wir sie überdacht und diskutiert, von allen Seiten betrachtet, und uns am Ende dagegen entschieden. Wir spürten, dass kann nicht der einzige Weg sein.

Natürlich ist noch viel mehr passiert in unserem Eltern-Dasein. Nach vielen weiteren Jahren, als unser Sohn bereits 17 Jahre alt war, begann ich mein Buch „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“ zu schreiben. Hier erzähle ich über unsere gesamten Erlebnisse im Zusammenhang mit Hochbegabung und Underachievement sowie Schulverweigerung. Ein Kapitel daraus behandelt die Zeit um die Einschulung, von der ich eben erzählte.
Es trägt den Titel „Das Versuchskaninchen“. Genau so hat es sich in dieser Zeit für uns angefühlt. Wir mussten und wollten selbst herausfinden, welche Alternativen funktionieren und welche nicht. Von hochdosierten Vitaminen, Koffein, glutenfreie Ernährung bis hin zu Mindwaves und Homöopathie probierten wir alles aus. Aber leider auch alles nur mit mäßiger Wirkung.
Der wichtigste Baustein dabei war der enge, regelmäßige Austausch mit den Lehrkräften. Und glücklicherweise hatten wir eine Lehrerin, die uns dabei sehr unterstützte. Wir haben miteinander gesprochen, haben beobachtet, angepasst und neu justiert. Es war für uns alle ein guter Weg, der zu unserem Kind passte und den wir gemeinsam mit den Menschen gegangen sind, die es im Schulalltag begleiteten.
In der dritten Klasse haben wir dann doch nach dem letzten Strohhalm gegriffen. Die Lehrerin hatte mittlerweile die Schule verlassen, die Noten rutschten ab, und der Charakter unseres Sohnes veränderte sich. Er wurde immer frustrierter, weil er wusste, dass er es konnte, aber es eben nicht aufs Papier brachte. Das war der Moment, wo wir gemeinsam mit dem Kinderarzt den Versuch mit den Medikamenten gestartet haben.
Bis zur Pubertät funktionierte das für uns gut. Unser Sohn konnte sich besser fokussieren, dem Unterricht leichter folgen und die Noten verbesserten sich. Doch das nur bis zu einem gewissen Grad, denn wir hatten eins nicht auf dem Schirm. Seine hohe Begabung. Diese kam mit Eintritt in die Pubertät immer mehr zum Vorschein, währenddessen sich gleichzeitig das ADHS abschwächte und sogar verschwand, worüber ich hier schreibe. Er setzte die Medikamente wieder ab, da er sie nicht mehr vertrug. Irgendwann verweigerte er die Schule und wurde schulabstinent.
Lies unsere persönliche Geschichte hier inkl. 2 Jahre Schulverweigerung.
In meinem Buch "Hochbegabt gescheitert - und neue Türen öffnen sich" kannst du mehr über all die Herausforderungen, die wir bewältigen mussten, erfahren.
Bei Amazon - oder im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3982620169

Ich möchte erst einmal klarstellen, dass die Gabe von Medikamenten bei ADHS eine sehr persönliche Entscheidung ist. Und ich möchte an dieser Stelle niemandem ein schlechtes Gewissen machen, der sich für Medikamente entscheidet. Für manche Familien sind sie der letzte Strohhalm, nach allem, was vorher schon versucht wurde. Und das ist völlig in Ordnung so.
Diese Entscheidung ist zutiefst persönlich, und es steht niemandem zu, das von außen zu bewerten. Tatsächlich sind die Medikamente und ihre Wirkung aus meiner Erfahrung heute besser dokumentiert als jemals zuvor. Für viele ADHSler sind sie eine große Unterstützung, auch wenn viele die Superkräfte von ADHS als Lösung propagieren.
Und ja, ADHS kann auch einen großen Schatz in sich tragen. Oft braucht es nur eine andere Sichtweise darauf, um das Verhalten dahinter besser zu verstehen. Mein Gamechanger war damals das Buch „ADHD – eine andere Art, die Welt zu sehen.“ (Werbung*)
Noch einmal zurück zu meinem Erlebnis, was mir vorher niemand gesagt hat. Denn darum soll es in diesem Artikel hauptsächlich gehen. Was mir damals gefehlt hat, war etwas Gravierendes, nämlich eine frühe und umfassende Aufklärung. Was bedeutet ADHS eigentlich? Welche Folgen kann das für die Schule haben? Und welches Spektrum an Möglichkeiten gibt es neben Medikamenten, etwa Therapie, ein Schulwechsel oder alternative Methoden?
Diese Informationen hätten mir damals geholfen, eine Entscheidung zu treffen, die wirklich auf einer Grundlage steht, und nicht im luftleeren Raum. Aus diesem Grund habe ich mir überlegt, was dir in so einer Situation helfen könnte und habe ein kleines Fazit vorbereitet.
Das gemeinsame Ziel bleibt immer, dass es dem Kind gut geht und dass es seine Ziele erreichen kann. Das ist das, was wir uns für unsere Kinder wünschen, und was sicher auch für die Lehrkräfte und die Bildungsverantwortlichen gilt oder gelten sollte. Sprachlosigkeit ist nicht das Ende, eine Diagnostik ist es ebenso wenig. Oft ist sie erst der Anfang der eigenen Suche nach dem richtigen Weg. Dabei wünsche ich dir alles Gute!
Nein, Medikamente sind eine Möglichkeit unter mehreren. Ob sie sinnvoll sind, hängt vom einzelnen Kind, der Ausprägung und der Familiensituation ab.
Dazu zählen unter anderem eine enge Abstimmung mit den Lehrkräften, Verhaltenstherapie, sowie das gezielte Fördern von Stärken und Potenzialen.
Das ist individuell und sollte immer mit den Ärzten und Psychologen abgesprochen werden. Bei uns war es die dritte Klasse, als andere Wege ausgeschöpft waren und der Leidensdruck stieg.
Bei unserem Sohn kam es genau in der Pubertät zu einer Veränderung: Seine Hochbegabung trat stärker hervor, während die ADHS-Symptome nachließen. Mehr zum Zusammenhang liest du in meinem Artikel dazu, den ich weiter oben verlinkt habe.

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Du fühlst dich gerade allein mit der Situation, mit Konflikten in der Schule und einem Kind, das leidet? Du hast das Gefühl, dass weder Lehrkräfte noch Freunde oder Verwandte wirklich verstehen, was in eurer Familie gerade los ist?
Du bist nicht allein.
Über die Schulpflicht denken wir selten nach und nehmen sie als gegeben hin. Da gibt es aber die Kinder und Jugendlichen, die ihre Schulpflicht nicht mehr erfüllen können. Das aus unterschiedlichen Gründen. In unserem Fall begründete sich die Schulabstinenz in der Hochbegabung in Verbindung mit ADHS. Unsere Kinder sagten damals: Wir wollen lernen, aber nicht mehr in dieser Schule. Fällt ein Kind also aus dem Schulsystem, ist es mit der Bildungsteilhabe nicht mehr weit her. Diese Erfahrung mussten wir machen. Daher geht es heute um Schulpflicht statt Bildungsteilhabe, und warum das System hochbegabte Kinder verliert.
Über die Historie und Hintergründe der Schulpflicht habe ich bereits einen Artikel geschrieben, den du hier nachlesen kannst. Wir haben in Deutschland eine restriktive Schulgebäudeanwesenheitspflicht. Das heißt, das Kind muss nicht nur beschult werden, sondern es hat die Verpflichtung, das im Schulgebäude zu tun. Ansonsten drohen Restriktionen, wie Bußgelder, Zwangszuführungen zum Unterricht oder sogar ein Klinikaufenthalt, der bei Neurodivergenzen scheinbar nahe liegt.
Dabei stecken hinter der Schulpflicht gute Gründe. Sie soll sicherstellen, dass wirklich jedes Kind unabhängig vom Elternhaus Zugang zu Bildung bekommt. Das ist ein guter Gedanke, denn sie ist gedacht als Garant für soziale Teilhabe. Das heißt, Kinder treffen andere Kinder, lernen miteinander, bestehen in Gruppenprozessen und üben sich in der Konfliktbewältigung. Gleichzeitig soll sie Wissen verlässlich und flächendeckend vermitteln und nicht dem Zufall überlassen. Dafür gibt es den Lehrplan.

Der Grundgedanke ist erst einmal positiv zu bewerten, solange die Klassengemeinschaften homogen sind und die Kinder sich insgesamt gut anpassen können. Das gelang möglicherweise bis auf wenige Ausnahmen noch vor einigen Jahrzehnten sehr gut, aber es entbehrt heute jeglicher Realität. Wir befinden uns in einer Zeit des schnellen Wandels, der Superdiversitäten, Sprachbarrieren, unterschiedliche soziale Voraussetzungen und der Digitalität. Hätte sich das Bildungssystem den Gegebenheiten und den Anforderungen der Gesellschaft angepasst, würde ich diesen Artikel nicht schreiben.
Aber die Realität in den Schulen sieht anders aus. Der Grundgedanke ist, dass die Schule für jedes Kind genau der richtige Ort ist, um sich zu entwickeln und zu entfalten. Blicken wir auf die heutige Situation, auf die jährlich steigenden Zahlen der Schulabstinentler und Schulabbrecher, dann müssen wir uns eingestehen, dass dieser Gedanke heute nicht mehr zutrifft. Darunter leiden vor allem die Kinder, wie wir selbst in der Familie erleben mussten.
Stell dir vor, dein hochbegabtes Kind sitzt im Unterricht und muss den Unterricht mitmachen. Die Merkmale von Hochbegabung, wie die schnelle Auffassungsgabe, das Anders Denken, die Lösungsbegabung, der Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, bremst dein Kind komplett aus. Es beginnt zu resignieren und reagiert entsprechend darauf. Etwa mit Verhaltensauffälligkeiten oder mit stillem Rückzug.
Gleichzeitig fühlt es sich allein, denn es findet keine Gleichgesinnten in der Zwangsgemeinschaft „Klasse“. Dein Kind hat andere Interessen und eckt ständig an, weil es eine andere Sprache spricht oder merkwürdig auf andere Kinder wirkt. Das hinterlässt Spuren und bleibt nicht ohne Folgen für den Selbstwert. Also rutschen viele hochbegabte Kinder in eine negative Spirale, aus der sie allein nicht mehr herausfinden.
Das Kind wird unter Umständen mit psychosomatischen Beschwerden reagieren. Unser Sohn hat morgens anfangs sehr lange getrödelt, sodass er immer öfter zu spät in die Schule kam. Irgendwann täuschte er Durchfall vor und kam nicht mehr von der Toilette. Ein anderes Mal klagte er über Kopfweh und Unwohlsein oder er ließ sich früher von der Schule abmelden, weil er sich krank fühlte.
Die Phasen seiner Schulvermeidung wurden schleichend immer länger. Aus Fehlstunden wurden Fehltage und irgendwann wurden es ganze Wochen, in denen er fehlte. Natürlich klärten wir das alles ärztlich ab, aber es war keine organische Ursache zu finden. Seine Noten wurden zusehends schlechter und irgendwann kam der Tag, an dem er die 9. Klasse wiederholen sollte.
Lies unsere persönliche Geschichte hier inkl. 2 Jahre Schulverweigerung.
In meinem Buch "Hochbegabt gescheitert - und neue Türen öffnen sich" kannst du mehr über all die Herausforderungen, die wir bewältigen mussten, erfahren.
Bei Amazon - oder im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3982620169

Mein Buch „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“ beginne ich als Erzählung mit dem Moment, als er morgens auf der Bettkante saß und sagte: „Ich will in die Schule, aber ich kann nicht“. Das war der Beginn seiner zweijährigen Schulverweigerung. Er konnte die Schulgebäudeanwesenheitspflicht nicht mehr erfüllen. Wir als Eltern fühlten uns weitestgehend allein gelassen, da niemand eine Idee für die Ursache seines Verhaltens hatte.
Schnell werden in so einem Fall die Schüler pauschal als Schulschwänzer abgestempelt. Denn das jemand aufgrund seiner Hochbegabung der Schule fernbleibt, kommt den wenigsten in den Sinn. Was nun geschieht ist, dass das Kind die Teilhabe an der Bildung verliert. Auch die soziale Teilhabe findet nicht mehr statt.
Wenn die Schulpflicht wie in unserem Fall nicht mehr erfüllt werden kann, müssen Eltern Lösungen suchen. Im besten Fall hilft und unterstützt die Schule dabei. Im schlechten Fall, wie wir es bei unserem jüngeren Sohn erlebt haben, zieht die Schule klare rote Linien und beharrt auf das Erfüllen der Schulpflicht und schiebt die Verantwortung von sich.
Auch unser jüngerer Sohn sagte irgendwann, dass er lernen wolle, aber nicht mehr in dieser Schule. Er wurde gemobbt und hielt es nicht mehr dort aus. Die Schule reagierte mit der Androhung einer Ordnungswidrigkeit für ein Bußgeldverfahren, welches wir glücklicherweise abwenden konnten. Gleichzeitig verlangte die Schule die Aufnahme in einer Tagesklinik, wo unser Sohn beschult werden sollte. Wir wechselten die Schule.
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Letztendlich haben wir für unsere Söhne lange darum gekämpft, dass sie eine Teilhabe an der Bildung erhalten. Ich erinnere noch einmal daran, dass sie beide äußerten, dass sie lernen wollen, aber eben nicht mehr in dieser Schule, bzw. in der Schule allgemein. Und ich kenne viele Eltern aus meinen Impuls-Calls oder Gesprächen bei Lesungen, bei denen sich die Kinder genauso äußern. Sie alle wollen lernen, aber eben nicht mehr im traditionellen Gefüge, in dem sie sich verloren fühlen.
Was also tun? Auf der einen Seite drohen die Restriktionen der Schulgebäudeanwesenheitspflicht. Die Verantwortlichen meinen es ja nur gut, denn die Kinder sollen Teilhabe am sozialen Umfeld haben. Aber was ist mit der Teilhabe an Bildung? Wenn das Kind nicht mehr in die Schule gehen kann, bleibt diese verwehrt.
Aus eigenen Erlebnissen und aus vielen Gesprächen habe ich eine Liste zusammengestellt, wie Teilhabe an Bildung erschwert wird. Sicher fallen dir weitere dazu ein, schreib sie gerne unten in die Kommentare.
Hinter diesen Erlebnissen stecken mehrere Aspekte. Zum einen zeigt es deutlich die Unwissenheit gegenüber Neurodivergenzen, wozu Hochbegabung auch gehört. Die Vorurteile sind groß: „Das (ADHS)-Kind müsse sich nur mehr zusammenreißen, wenn es das wolle, könne es das auch“. Oder: „Das Kind schreibt schlechte Noten, es kann nicht hochbegabt sein“. Das sind die typischen Vorbehalte und Meinungen, die die oben genannten Punkte bedingen.
Auf der anderen Seite droht eben die Schulpflicht, die viele Eltern als Damoklesschwert empfinden. Natürlich möchten die meisten Eltern, dass ihre Kinder zur Schule gehen. Das höre ich immer wieder heraus in Gesprächen. Aber das Kind kann einfach nicht. Und genau das wird dem Kind abgesprochen, stattdessen wird ihm ein fehlender Wille oder Faulheit unterstellt.

Wenn das Kind also nicht in die Schule geht, findet die Teilhabe nicht statt. Weder die soziale, noch die Bildungsteilhabe. Leider wird von den Verantwortlichkeiten keine Trennung der beiden Bereiche in Betracht gezogen. Außer vom Jugendamt, welches die Entscheidung gegen die ideale Schule für unseren Sohn damit begründete, dass sie nur für die soziale Teilhabe verantwortlich seien, nicht aber für die Bildungsteilhabe, bzw. für das Erreichen eines Schulabschlusses. Darüber kannst du hier mehr lesen.
Nun ist es aber so, dass sich viele hochbegabte und anders neurodivergente Kinder im sozialen Umfeld der Klassengemeinschaft unwohl fühlen. Auf der anderen Seite wollen sie lernen. Hier finde ich es wichtig, dass die Bildungsverantwortlichen eine gedankliche Trennung vornehmen. Was wäre, wenn das Kind in einem anderen Umfeld, sei es Homeschooling, Online-Beschulung oder eine geförderte Maßnahme über das Jugendamt, besser lernt und aufblüht?
Genau das passiert nämlich oft, wenn die Kinder in eine für sie förderliche Umgebung kommen. So haben wir es mehrfach erleben dürfen als Familie. Andere Familien bestätigen unsere Erfahrungen. Wäre es dann nicht sinnvoll, auf die soziale Teilhabe innerhalb der Schulgebäudeanwesenheitspflicht zu verzichten und zumindest die Bildungsteilhabe zu ermöglichen?
Da dies in den Köpfen der Verantwortlichen leider selten verankert ist, kommt es also eher dazu, dass die Schulgebäudeanwesenheitspflicht bzw. die Schulpflicht, wie sie abkürzend genannt wird, mit allen Mitteln durchgesetzt wird. Dabei wäre es doch viel einfacher für die Familie, wenn genau hingeschaut würde, wenn es Verständnis und Wissen über die Hintergründe gäbe und wenn flexible und auch kreative Lösungen gemeinsam gefunden würden, damit wenigstens die Bildungsteilhabe erhalten bleibt? Auf diese Idee scheint aber niemand zu kommen. Es werden dann eher Bedenken geäußert, wenn man einmal öffnen würde, wäre der Ansturm kaum noch zu bewältigen. Also verriegelt man lieber die Türen und zwingt die Betroffenen, drinnen zu bleiben.
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Auch als Hörbuch hier erhältlich. (selbst von mir eingesprochen)

Wir müssen uns immer vor Augen halten: Was wollen wir mit einer Schulbildung erreichen? Welche Fertigkeiten und Fähigkeiten benötigen unsere Kinder heute, damit sie morgen ein glückliches, selbstständiges und erfolgreiches Leben führen können? Ist soziale Teilhabe das wichtigste Argument in der Schulpflicht? Für Hochbegabte, die sich sowieso oft fehl am Platz fühlen, anecken oder sich anders fühlen, kann die soziale Teilhabe in der Zwangsgemeinschaft sogar kontraproduktiv sein, wenn wir uns die stillen Folgen anschauen, über die ich hier geschrieben habe.
Wenn sich diese Kinder dem System entziehen, weil sie nicht mehr können, dann hat das Gründe. Diese wahrzunehmen und zu sehen, ist ein wichtiger Schritt, anstelle auf die Schulgebäudeanwesenheitspflicht zu beharren. Gleichzeitig sollte man ihnen das Recht auf Bildung nicht verwehren und mit anderen Möglichkeiten ermöglichen. Wir haben erlebt, dass in einer anderen Umgebung, beispielsweise in einer Förderschule für hochbegabte twice exceptional students (ab IQ 120) unser Kind aufgeblüht ist und seine Freude am Lernen wiederentdeckt hat.
Wir müssen beginnen, Schule vom Kind aus zu denken. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass das Kind sich dem System anpassen muss, sondern müssen uns fragen, was wir tun können, damit das Kind mit dem Grundgefühl des Wohlbefindens gerne in die Schule kommt? Es gibt Lösungen, über die ich auf meiner Website schon oft beschrieben habe. Offene Systeme, selbstreguliertes und selbstorganisiertes Lernen, Auflösung der Klassengemeinschaften, der Einsatz von KI etc. kommt gerade diesen Kindern entgegen.
Sie schaffen eine Atmosphäre, in der die Kinder gerne lernen, weil sie auf Selbstbestimmtheit beruht und Selbstwirksamkeit ermöglicht. Solange aber noch die traditionellen Systeme wirken, Klassenarbeiten, Notengebung, feste Klassen, abgeschirmte Klassenräume, Unterricht im klassischen Sinne etc., solange dürfte es aus meiner Sicht keine restriktive Schulgebäudeanwesenheitspflicht geben.
Ja, es ist wichtig, dass Kinder einen Mindeststandard an Wissen erreichen. Und gerne auch in Schulen. Aber die Voraussetzungen des gemeinsamen Lernens müssen sich ändern. Und wenn es dann eben nicht gelingt, also dass ein Kind herausfällt aus dem Schulsystem, muss es aufgefangen anstelle direkt bestraft zu werden, weil es mit allen Schulabstinentlern über einen Kamm geschert wird.
Ich wünsche mir daher Offenheit, Wissen über Hochbegabung an den entscheidenden Stellen, Flexibilität und niederschwellige Unterstützungsmöglichkeiten. Schulpflicht ist sinnvoll, wenn die Voraussetzungen stimmen. Aber sie darf nicht zum Selbstzweck werden, während die Bildungsteilhabe auf der Strecke bleibt.

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Du fühlst dich gerade allein mit der Situation, mit Konflikten in der Schule und einem Kind, das leidet? Du hast das Gefühl, dass weder Lehrkräfte noch Freunde oder Verwandte wirklich verstehen, was in eurer Familie gerade los ist?
Du bist nicht allein.
Wenn du Autorin bist, hast du einen Wunsch: Mit deinem Buch erfolgreich zu werden. Natürlich möchtest du dein Buch-Baby verkaufen, und wenn du einmal Ja zum Marketing gesagt hast, musst du auch die nächsten Schritte gehen. Warum eine Begebenheit vor meiner ersten Lesung meine wichtigste Mutprobe war, davon erzähle ich hier. Den Impuls dazu gegeben hat mir Christine Storck mit ihrer Blogparade „Meine mutigsten Momente als Autorin“.
Ein Buch zu schreiben ist schon einmal eine große Sache. Du verfolgst damit ein gewisses Ziel, welches für jeden Autor anders sein kann. Mein Grund war, dass ich unsere Erfahrungen dokumentieren wollte, um sie nicht zu vergessen. Es geht um Hochbegabung, Underachievement, ADHS, Diagnostiken, Schulabstinenz und den Kontakt mit zahlreichen Institutionen.
Also wollte ich das alles festhalten, da im Nachhinein, als sich unsere Situation beruhigte, Gedanken aufkamen wie: „Ach, das war doch alles gar nicht so schlimm“. Also schrieb ich die Geschichte unseres Sohnes auf, dessen Hochbegabung erst mit 16 Jahren erkannt wurde. Gleichzeitig fasste ich den Entschluss, dass mein Buch gleichzeitig ein Informationsbuch sein sollte. Für Eltern, die nicht mehr weiterwissen und die eine Richtung suchen, in die sie gehen können. Denn ganz oft wurde ich in Gruppen um meine Erfahrungen gebeten, da ich als die galt, die dazu Infos hatte.
Lies unsere persönliche Geschichte hier inkl. 2 Jahre Schulverweigerung.
In meinem Buch "Hochbegabt gescheitert - und neue Türen öffnen sich" kannst du mehr über all die Herausforderungen, die wir bewältigen mussten, erfahren.
Bei Amazon - oder im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3982620169

Zwei Jahre später war mein Buch „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“ erschienen. Ein erzählerisches Sachbuch. Eine Leserin fasste das so zusammen: „Dieses Buch ist nicht nur aus dem 'Herzen einer Mutter' geschrieben, sondern schafft den Spagat zwischen Fachliteratur, Erfahrungsbericht und Roman." (Susanne Sperling). Andere nannten es liebevoll einen Seelenstriptease.
Es ist nicht so, dass ich keine Erfahrungen mit dem Buch schreiben habe. Das hier war bereits mein drittes Buch. Zuvor hatte ich ein Marketing-Buch „Business-Helden“ geschrieben. Ein Kinderbuch zum Vorlesen mit Einschlaf- und Entspannungsgeschichten „Ein Baumhaus zum Träumen“ folgte. Auch hierfür machte ich Werbung und bewarb meine Bücher.
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Doch dieses Buch war anders. Es war persönlicher, privater, sensibler. Und ich spürte einen inneren Drang, damit in die Öffentlichkeit zu gehen. Schließlich legte ich mit dem Buch unsere Familiengeschichte offen. Sag du mal irgendwo: „Ich bin hochbegabt“ oder „Meine Kinder sind hochbegabt“. Du kannst dir vorstellen, welche Blicke du erntest. Noch mehr, wenn sie deinen Buchtitel lesen: „Hochbegabt gescheitert…“ Das passt für viele nicht zusammen und so begibst du dich auf gefühlt dünnes Eis.
Meine Buchveröffentlichung stand nun an. Jeder einzelne Schritt in der Buchvermarktung war ein neues erstes Mal. Mal aufregend, mal fröhlich, aber immer mit dem Blick eines staunenden Kindes, welches gerade das erste Mal sein neues Kinderzimmer sieht. Während ich mich auf Social Media bewegte, fühlte sich alles ok an. Ich befand mich hier in einem weitestgehend anonymen Raum, obwohl ich unter meinem Klarnamen agierte.
Das war nämlich auch so ein Punkt. Ehrlicherweise überlegte ich anfangs, ob ich mein Buch unter einem Synonym herausbringen sollte. Zum Schutz der Familie, zu meinem eigenen Schutz und vor allem, um der Angst zuvorzukommen, dass mich Menschen anfeinden, Vorurteile laut werden oder sich von mir abwenden.
Der Verkauf des Buches entwickelte sich gut. Im ersten halben Jahr hatte ich bereits über 1.000 Exemplare verkauft. Das hätte ich nie für möglich gehalten, aber es zeigte mir, wie groß die Not der Eltern war. Ich machte nahezu jeden Tag Werbung auf Social Media, erzählte vom Buch, kommunizierte Zitate von Lesern und vieles mehr. Wenn du mehr über meine Selfpublishing-Erfahrungen lesen möchtest, findest du Artikel in meiner Kategorie.

Ich hatte schon Gastbeiträge für bekannte Familienblogs geschrieben und stand in Interviews Rede und Antwort. Meine Pressearbeit lief gut, wie du hier nachvollziehen kannst. Doch ein Thema schob ich vor mir her: Meine erste Lesung. Aber der Wunsch war größer und so machte ich mich auf den Weg in die naheliegende Stadt Wetzlar in die Stadtbibliothek.
Nach einem Gespräch ging ich mit einem Termin in der Tasche glücklich nach Hause. Jetzt musste der Termin nur noch beworben werden. Social Media reichte dazu nicht aus, das wusste ich. Daher entschied ich mich, Plakate drucken zu lassen und sie im heimischen Raum aufzuhängen.
So stand ich also mit meinem Plakat und Tesafilm in der Hand vor dem örtlichen Bäcker und fühlte mich ganz anders. Tausend Gedanken rasten durch meinen Kopf. Sollte ich das wirklich tun? Hier gehen doch die ganzen Leute aus dem Dorf einkaufen. Die kennen mich doch und meine Familie. Was werden sie von uns denken?
Werden sie mich verurteilen? Was werden die anderen Mütter denken, die unseren Sohn kennen? Wird mein Sohn darauf angesprochen? Werde ich darauf angesprochen oder meine Familie? Wie werde ich reagieren? Kann ich dazu stehen? Die vielen Gedanken konnte ich kaum fassen, mein Herz raste passenderweise dazu.
Ich atmete tief durch, fasste all meinen Mut zusammen und stieg die wenigen Stufen zur Eingangstür hinauf. Drinnen zeigte ich mein Plakat und fragte, ob ich es ins Fenster hängen dürfe. Die Verkäuferin in der Bäckerei warf einen kurzen Blick darauf, nickte kommentarlos, zeigte mir die Stelle und ich hing mein Plakat auf.
Nun war es geschehen. Jeder konnte es sehen, wie mein Gesicht, mein Buch, das Datum und der Termin öffentlich präsentiert wurden. Wenigstens lächelte ich auf dem Bild, das soll ja Herzen öffnen. Mit einem mulmigen Gefühl stieg ich ins Auto und fuhr nach Hause. Mein Herz schlug immer noch stark. Ich war gespannt, mit welchen Reaktionen ich nun konfrontiert wurde.
Ein paar Tage später hatte ich Plakate in der Apotheke aufgehängt, Flyer bei einem weiteren Bäcker verteilt und die umliegenden Orte abgefahren, um weitere Plakate aufzuhängen. Ich wartete, und es passierte: Nichts. Niemand sprach mich an. Keine Kommentare, keine Anfeindungen und niemand, der uns verspottete. Jedenfalls bekam ich nichts mit.
Schließlich war der Tag gekommen und die Lesung fand statt. Der Raum füllte sich zusehends, was meine Aufregung nur noch höher werden ließ. Die Mitarbeiter der Bibliothek mussten noch weitere Stühle aufstellen, der Raum war fast überfüllt. Es waren so viele Menschen gekommen. Eltern, Großeltern, Therapeuten, Lehrkräfte aber auch Familie und Freunde. Ich war überwältigt, denn damit hatte ich nicht gerechnet.
So fand meine erste Lesung vor 43 Menschen statt. Sie hörten gebannt zu, nickten, Tränen flossen und ich blickte in zustimmende Gesichter. Nach der Lesung durfte ich viele Gespräche führen. Der wichtigste Tenor war: „Ich fühle mich nicht mehr allein.“ Für viele war es erleichternd, unsere Geschichte zu hören. Auch wir kennen das Gefühl, wenn wir denken, niemandem geht es so wie uns. Und niemand kann uns helfen.
Nach 15 verkauften Büchern und vielen persönlichen Widmungen endete die Veranstaltung. Die Organisatorin zeigte sich ebenfalls überrascht, dass so viele Menschen anwesend waren und schien ebenso glücklich zu sein wie ich. Mit meinen Materialien unter dem Arm ging ich glücklich nach Hause. Stell dir doch mal vor, ich hätte gekniffen und die Lesung abgesagt, weil ich Angst hatte, die Plakate in meiner Umgebung aufzuhängen? Einen Rückblick zur Lesung findest du hier.

Was nehme ich also mit aus dieser Mutprobe? Oft denke ich noch daran zurück, wie ich mich damals gefühlt habe. Heute habe ich bereits viele Lesungen in ganz Deutschland gehalten und jede für sich war ein besonders Erlebnis.
Es gab auch weitere Mutproben. Zum Beispiel, als ich das erste Mal auf einem Bildungsforum war und mich fühlte wie in der Höhle der Löwen. Denn stell dir vor, du gehst als Mutter, die hochbegabte Kinder hat, die am System gescheitert sind und die Schule verweigert haben auf ein Bildungsforum mit 300 Lehrkräften, um deine Geschichte zu erzählen. Darüber kannst du hier mehr erfahren.
Klar ist, erst kommt die Angst, und dann der Mut. Wenn der Mut größer ist als die Angst, kommst du ins Handeln. Dann kann Großes entstehen, weil du dich getraut hast. Weil du in diesem Moment über deine Grenzen gegangen bist für etwas, was dir viel bedeutet. Heute werde ich immer wieder aus meinem alten Bekanntenkreis und auch von Menschen aus dem Dorf angesprochen, dass sie Hilfe benötigen. Dass sie ein Kind, einen Enkel oder jemanden in der Bekanntschaft haben, welches ebenfalls aus dem Rahmen fällt.
Im privaten Bereich habe ich schon einige Bücher verkaufen dürfen. Mich überraschte das immer wieder, da ich das oft nicht erwartet hatte, dass diese Familie ein Thema damit hat. Eltern mit hochbegabten Kindern gehen mit dem Thema nicht hausieren. Das ist der Grund, warum ich mich so schwer getan habe bei der Entscheidung, das Buch unter meinem Klarnamen zu veröffentlichen. Ich bin froh, dass ich den Schritt gegangen bin und mich mitten auf den Präsentierteller gesetzt habe.
Auch über meine spät erkannte Hochbegabung als erwachsene Frau zu sprechen kostete mich Mut. Denn ich fühlte mich vor der IQ-Testung in einer Begabungsdiagnostik alles andere als hochbegabt. Aber das ist eine andere Geschichte, über die ich hier mehr erzähle, falls du in das Thema eintauchen möchtest.
Ich möchte dir hier an dieser Stelle Mut machen. Geh ab und zu über deine Grenzen, bzw. aus der Komfortzone heraus. Es lohnt sich. Denn wenn du den ersten Schritt machst, dann kommt das Leben auch auf dich einen Schritt zu in Form von großartigen Möglichkeiten und Gelegenheiten. Danach lebe ich jeden Tag und gestalte alles, was bis heute rund um das Buch entstanden ist und was du auf meiner Website findest.
Denn stell dir doch nur einmal vor, du würdest den entscheidenden Schritt nicht gehen? Andere Menschen würden dein Angebot nie kennenlernen? Ich finde, das grenzt an unterlassene Hilfeleistung. Daher wünsche ich dir viel Mut und großartige Erfahrungen bei der Überwindung deiner Ängste!
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Natürlich hat mich der Aufruf zur Blogparade von Dr. Hanna Steffen direkt angesprochen. Es geht in ihrem Aufruf um das Finden eines Schlüssels, der endlich die richtige Tür öffnet. Wie sehr dies mein eigenes Leben als spät erkannte hochbegabte erwachsene Frau prägt, möchte ich in diesem Beitrag zu ihrer Blogparade zeigen.
Im Grunde genommen sind es jedoch drei Schlüssel, bzw. drei Gamechanger-Momente, die alles maßgeblich veränderten. Mein Leben empfinde ich als eine große spannende Reise. Mittlerweile fühlt es sich sogar so an, als wäre ich auf einem großen Abenteuerspielplatz.
Es gibt vieles, was ich in meinem Leben ausprobiert habe. Ich habe Grundschullehramt studiert, eine Diskothek geleitet, eine Ausbildung zur Werbekauffrau gemacht, BWL studiert und leite eine eigene Werbeagentur. All diese Stationen haben mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Es ist, als würde sich der Kreis schließen.
Zwischendrin habe ich meine beiden Kinder bekommen. Das Leben mit ihnen blieb immer spannend, denn sie waren ganz und gar nicht so wie andere Kinder. Sie hatten ihre Eigenheiten, später prägte sich das in Passungsproblemen in Kindergarten und Schule aus. Während der ältere Sohn sehr wild und nie genug Wissen anhäufen konnte, war der jüngere sehr sensibel und philosophierte bereits früh sehr gerne.
Letztendlich mündete all das in Schulproblemen und schließlich in Schulverweigerungen. Wir haben viele schwierige Phasen erlebt und ich war immer froh über meine Selbstständigkeit. Das verschaffte mir viel Zeit, mich um die Kinder zu kümmern. Als Mutter wünscht man sich Kinder, die ihren Weg machen, sich gut anpassen und irgendwann ihr eigenes Leben gestalten. Das schien bei uns etwas holpriger zu laufen.
Dass dies in unserer Familie nicht so einfach und reibungslos lief, wurde mit den Jahren klar. Du ahnst nicht, wie viel ich in den Jahren dazugelernt habe, was mein grundlegendes Verständnis und den Blick auf die Menschen verändert hat. Denn unser Familienleben war geprägt von ADHS-Diagnostiken, Klinikbesuchen, Reha, Förderanträgen, Jugendamtsanträgen und Schulwechsel.
Das strengt an, doch es öffneten sich in dieser Situation immer wieder neue Türen für uns. Ich gab niemals auf, suchte stets nach neuen Lösungen und fand sie auch. Und so kommt es mir vor, als hätte ich einen ganzen Schlüsselbund in der Hand. Du weißt schon, so einen, wie Lehrkräfte haben, mit Schlüssel für alle Türen der Schule. Diese Jahre hinterließen Spuren. Aber auch Wünsche, und so kam ich irgendwann auf die Idee, ein Buch zu schreiben.
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Erst spät wurde die Hochbegabung unserer Kinder entdeckt. Der ältere wurde mit 16 Jahren hochbegabt getestet, als er bereits fast ein Jahr in der Schulverweigerung war. Der jüngere forderte den Test mit 14 Jahren ein, da er „auch so einen Test“ wie sein Bruder machen wollte. Nach einem weiteren Jahr, als unser älterer Sohn gerade 17 Jahre alt wurde, durfte er endlich nach langem Ringen eine Förderschule für Hochbegabte, bzw. twice exceptional (2e) besuchen.
Als diese Nachricht kam, war ich das erste Mal so richtig erleichtert. Ich legte den großen Schlüsselbund aus der Hand und ergriff den Stift. Der erste Satz meines Buches war geboren. Ich wusste, aus diesem Satz wird eine ganze Dokumentation unserer Geschichte. Es war mir wichtig, unsere Erlebnisse festzuhalten, denn ich spürte schon die ersten leisen Gedanken: „Ach, das war doch alles gar nicht so schlimm“.
Aus dem ersten Satz wurden 328 Seiten und ich beschloss, unsere Geschichte als Buch zu veröffentlichen. Der Titel verrät es: „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“. Wo wir wieder beim Thema wären. Tatsächlich gab es einen Schlüsselmoment, der mich zu dem Untertitel bewegte. Es war der Moment, als ich auf den Begriff „Underachievement“ stieß. Er erklärte mit einem Schlag, was mit unserem Sohn los war und warum der nicht mehr in die Schule gehen konnte.
Es öffnete sich eine neue große Tür, durch die wir gehen konnten. Dadurch eröffneten sich neue Möglichkeiten. Aber nicht nur innerhalb unserer Geschichte. Denn mein Buch öffnete auch für mich neue Türen. Ich begann, Lesungen zu machen, einen Blog über Hochbegabung und Underachievement zu schreiben, Bildungsforen zu besuchen und Workshops anzubieten. Mein Buch ist sozusagen der Schlüssel dafür, was ich heute tue: Über Hochbegabung und Underachievement zu sensibilisieren, Angebote dafür zu entwickeln und ordentlich am Schulsystem zu rütteln. Denn hier ist wenig Platz und Verständnis für unsere neurodivergenten Kinder.
Bullshit-Bingo "Hochbegabung” für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte.
Nie mehr sprachlos: 24 Mythen über Hochbegabung und ihre Auflösung.
Wenn man in der Familie auf einmal mit Hochbegabung konfrontiert ist, macht das etwas mit einem. Ich kam mir jedoch eher als Beobachter in der Familie vor, was dieses Thema angeht. Denn mir war klar, dass die Hochbegabung nur die Männer in der Familie betrifft. Oder anders gesagt, dass die Kinder ihre Hochbegabung von ihrem Vater haben müssen.
Dass ich selbst hochbegabt sein könnte, kam mir nie in den Sinn. Dafür hielt ich mich einfach nicht klug genug. In meiner Recherche zu meinem Buch las ich aber von einer anderen Mutter in der gleichen Situation wie meine. Ich war sehr überrascht und das zu Lesen machte etwas mit mir. Was wäre, wenn…? Nein, den Gedanken schob ich gleich wieder weg. Und doch ließ er mich nicht los.
Und so fasste ich nach ein paar Wochen all meinem Mut zusammen und rief die Begabungsdiagnostikerin an. Sie wartete wohl bereits auf meinen Anruf, da sie auch meine Kinder getestet hatte. Und so stellte ich mich voller Angst meinem ersten IQ-Test. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits 53 Jahre alt. In diesem Artikel liest du noch mehr über diese Diagnostik.
Selbst hochbegabt zu sein, war ein weiterer Gamechanger für mich. Und so begann ich wie ein Puzzle meine Vergangenheit zu erklären und auch aufzuarbeiten. Auf einmal war mir klar, warum auch ich anders war als andere Kinder, obwohl ich wie viele hochbegabte Mädchen mich gut anpassen konnte und niemand eine höhere Begabung vermutete. Doch jetzt hatte ich eine Antwort auf vieles in meinem Leben.

In meinem Leben wird es nicht langweilig. Ich liebe die Gelegenheiten, die sich mir bieten und die ich ergreifen darf. Dass ich sehr unterschiedliche Erfahrungen machen durfte, macht mein Leben reich. Aber auch, dass ich heute mit meiner Geschichte und meinen Gamechanger-Erfahrungen anderen Menschen helfen kann.
Ich glaube, jeder trägt einen Schlüsselbund mit sich herum. Doch oft fehlt noch die richtige Tür, um diese zu öffnen. Anderen ist noch nicht einmal der Schlüsselbund bewusst. Aber das darf jeder für sich selbst entscheiden. In einem anderen Gamechanger-Moment, der bereits länger zurückliegt, habe ich gelernt, wie wichtig die Eigenverantwortung ist. Sie kann lebensverändernd sein.
Das Wichtigste für mich ist immer, die Bereitschaft hinzusehen, zu reflektieren, sich selbst zu regulieren und zu beobachten. In jedem von uns steckt ein großer Schatz und Herausforderungen im Leben sind eine schöne Möglichkeit, Neues dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln. Daher bin ich gespannt, welche weiteren Türen auf mich warten. Den Schlüsselbund habe ich wieder in die Hand genommen und freue mich darauf, wenn wieder eine neue Tür aufgeht.

Hol dir meinen Reflexionsguide (Unerkannt) Hochbegabt und weiblich
Vom hochbegabten Mädchen zur hochbegabten Frau - endlich mich verstehen! Für Frauen, die sich ihr Leben lang zu viel und doch zu wenig fühlten.
Ich muss gestehen, mir ist erst um 15 Uhr aufgefallen, dass heute ja 12 von 12 Uhr ist. Ich habe im Januar bereits diesen Tag komplett verpasst, und bin daher froh, dass ich gerade noch dran gedacht habe. Glücklicherweise habe ich heute auch schon Bilder gemacht, so dass ich von meinem Tag berichten kann. Also dann, gehen wir verpeilt durch meinen Sonntag.


Bei meinem ersten Bild sitze ich bereits kurz vor der Mittagszeit in einem Ausflugslokal. Mein Mann sagte, er müsse sein Auto mal bewegen, weshalb wir eine Stunde Autofahrt hinter uns haben. Das Ziel war die Alpenroder Hütte, in der ich diesen leckeren Kuchen als Frühstück zu mir genommen habe.

Auf dem Rückweg zum Auto hat mein Mann dieses schöne Gefährt unter einem Baum stehen sehen. Es ist wohl eine alte russische Marke, die restauriert wurde. Heute freue ich mich besonders darüber, dass ich drei weitere Oldtimer auf den Straßen sehen durfte. Ich liebe Oldtimer.

Während heute Vormittag blauer Himmel war, jedenfalls im Westerwald, so ziehen doch jetzt Wolken auf. Im Westerwald waren es tatsächlich ca vier Grad kühler als hier in Mittelhessen. Da tun Wolken ganz gut.

Wir sind am ausmisten, und so habe ich diese fünf hübschen Kaffee-Sets mit Zuckerdose bei eBay eingestellt. Noch sind sie zu haben. Genauso wie Oldtimer liebe ich auch dieses alte Geschirr. Aber es nimmt einfach zu viel Platz weg.

Zwischendurch ein schöner Kaffee mit Hafermilch, der schon fast leer ist. Ein Teelöffel Kreatin kommt immer mit hinein.

Dann ein Blick ins Trading-Profil, ich bin gespannt, wie sich die Märkte morgen entwickeln. Ich habe gerade eine neue Methode, die Märkte zu analysieren. Ich lerne jeden Tag Neues.

Ein bisschen Klavierspielen muss auch noch sein, das macht mir momentan sehr viel Spaß. Am liebsten spiele ich, wenn ich alleine bin.

Auch der sonntägliche Saunabesuch findet trotz heißer Sommertemperaturen draußen statt. Wir ziehen es durch. Glücklicherweise haben wir eine Sauna zu Hause, dafür verzichte ich gerne auf eine Badewanne.

Zeit fürs Abendessen heute grillt mein Mann. Es gibt Hähnchenspieße und den Rest mediterranen Nudelsalat von gestern.

Ein kleines Selfie vor der Scheibe. Vielleicht sollte ich bei Baywatch anheuern. Nicht. 🙂

So ein Aperol Spritz sieht ja fantastisch aus. Blöd nur, dass ich das gar nicht mag. Das liegt am bitteren. Den hat sich mein Mann gemacht. Fürs Foto passt es prima.

Der gemütliche Teil des Abends beginnt mit einem Vanillejoghurt mit viiieeelen Schokostreuseln. Lecker. Ab morgen geht's wieder gesund weiter.
Wenn es dir hier gefällt, lies auch gerne meinen Blog zu Hochbegabung und Underachievement.
Viele runzeln die Stirn, wenn sie das erste Mal von twice exceptional students hören, was auch mit 2e abgekürzt wird. Ich bin auf diesen Begriff das erste Mal gestoßen, als ich nach einer geeigneten Schule während der 2-jährigen Schulverweigerung unseres Sohnes recherchierte. Ich habe sie gefunden. Die einzige Förderschule für Hochbegabte verwendete diesen Begriff auf ihrer Website. Das war für mich ein Aha-Erlebnis, denn das Schulprofil passte 1:1 zu unserem Sohn. Leider sind diese Informationen eine Holschuld der Eltern. Warum das so ist, und warum wir bei dem twice exceptional ganz oft auf uns allein gestellt sind, erläutere ich in diesem Artikel.
Neulich sprach mich eine Mutter an. Sie sei dankbar, dass ich auf meinem Blog einen Artikel zu twice exceptionals habe, und auch ein Video in meinem YouTube-Kanal darüber gemacht habe. Sie hätte schon recherchiert, aber es sei so wenig im Internet darüber zu finden. Bevor wir näher darauf eingehen, warum das so ist, erlaube mir zuerst eine kleine Begriffserklärung.
Twice exceptional, kurz 2e, bedeutet übersetzt „zweifach außergewöhnlich". Gemeint sind Kinder, die gleichzeitig hochbegabt und anders neurodivergent sind. Sie sind dann zum Beispiel mit einem ADHS oder einer Autismus Spektrum Störung diagnostiziert. Beide Ausprägungen (Hochbegabung und Neurodivergenz) können sich gegenseitig überdecken, was man auch als Masking bezeichnet. Was das im Detail bedeutet und wie sich das bei Hochbegabung plus ADHS zeigt, habe ich in einem eigenen Grundlagenartikel „Was sind twice exceptional students?" ausführlich beschrieben.
In dem verlinkten Artikel erfährst du auch (inkl. Quellen), dass aktuelle Studien aus den USA bei Hochbegabten einen Anteil von ca. 6 % vermuten lassen, die gleichzeitig twice exceptional sind. In Deutschland gehen wir aufgrund von Beobachtungen davon aus, dass über 3 % der ADHS-Kinder gleichzeitig hochbegabt sind. Wenn wir mehr über das Thema erfahren wollen, müssen wir in die Vereinigten Staaten schauen. Dort ist die Studienlage schon wesentlich weiter als hier in Deutschland. In den USA gibt es spezielle 2e-Screeningstellen für Eltern.
Speziell zu ADHS möchte ich anmerken, dass diese Beeinträchtigung nicht in Stein gemeißelt ist. Ich habe an anderer Stelle bereits beschrieben, dass sich ein ADHS im Laufe der Pubertät auch verändern oder sogar auswachsen kann. Genau diese Beweglichkeit der Diagnosebilder macht die Sache zusätzlich kompliziert. Wenn wir das beachten, ist es auch logisch, dass Fehldiagnosen bei ADHS ein weiteres ernstzunehmendes Thema sind. Aber natürlich sind auch Doppeldiagnosen möglich, wobei wir uns hier in das Feld der twice exceptionals begeben.
Du siehst, das Thema ist sehr komplex und umfassend. Wir haben ein großes Feld an Neurodivergenzen, wozu neben ADHS und der Autismus Spektrum Störung auch LRS, Dyskalkulie, Dyslexie etc. gehören. Als häufigste Kombination kann jedoch ADHS plus Hochbegabung angesehen werden. Daneben gibt es auch multi exceptionals. Das trifft dann zu, wenn mehrere Neurodivergenzen gleichzeitig aufeinandertreffen.
Die Herausforderung bei uns in Deutschland ist also die, dass wir zurzeit nur sehr spärliche Informationen haben. Das ist der Grund, warum die Mutter, die mich ansprach, so wenig dazu gefunden hatte. Aber damit hört es nicht auf. Denn die nächste Herausforderung ist die, eine gezielte Diagnosestelle zu finden. Oft landen die Eltern in unterschiedlichen Beratungsstellen, weil ein Zusammenschluss der unterschiedlichen und verlässlichen Diagnostiken in Deutschland noch nicht flächendeckend erfolgt ist.
Solltest du als Leserin oder Leser jemanden empfehlen können, schreibe es bitte unten in die Kommentare, damit wir diese Info an andere Betroffene weitergeben können.
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Als unser jüngerer Sohn aufgrund von Mobbingvorfällen den Schulbesuch immer mehr verweigerte, machten wir uns ebenfalls auf die Suche nach der Ursache. Zwischenzeitlich hatte unser älterer Sohn eine Begabungsdiagnostik absolviert. In diesem IQ-Test kam die Hochbegabung heraus, er war 16 Jahre alt. Unser jüngerer Sohn forderte dann ebenfalls einen IQ-Test ein. „Wenn er einen machen durfte, möchte ich das auch“. Es kam ebenfalls eine Hochbegabung heraus.
Das erzählten wir der Förderschullehrerin, die unseren Sohn in der Gesamtschule betreute. Sie war sehr neugierig und wollte unbedingt die Testauswertung haben. Es sei der erste, den sie in ihrem Berufsleben sehen würde. Ich muss gestehen, diese Aussage machte mich ein wenig fassungslos. Denn ich war bis dahin der Überzeugung, dass sich gerade Förderschullehrkräfte mit diesem Thema wenigstens am Rande ein wenig auskannte.
Dass das Thema Hochbegabung und Underachievement im Lehramtsstudium nicht vorkommt, war mir klar. Das kannte ich so aus meinem eigenen Grundschulstudium. Insgeheim hatte ich gehofft, dass sich das im Laufe der Jahre geändert hat. Aber offensichtlich sind diese Themen inkl. twice exceptional, weder im Lehramtsstudium noch in der Förderschullehrkraft-Ausbildung Inhalt. Und das, obwohl es bei Inklusion und Förderung eigentlich um alle Förderbedarfe gehen sollte. Auch um hochbegabte Underachiever.
Frustriert hat mich das doppelt. Denn gerade von einer Förderschullehrkraft hatte ich mir Unterstützung erhofft. Stattdessen war ich diejenige, die aufklären musste. Genau das ist die Holschuld, von der ich spreche: Wir als Eltern müssen uns das Wissen selbst zusammensuchen, obwohl eigentlich die Verantwortlichen in der Bringschuld wären. Und wir hatten es noch vergleichsweise gut. Es gibt viele Eltern, die es aus den unterschiedlichsten Gründen nicht schaffen, sich selbst durch dieses komplexe Thema zu kämpfen: fehlende Zeit, Sprachbarrieren, Überforderung, oder schlicht, weil niemand ihnen sagt, wo sie überhaupt anfangen sollen. Wir waren komplett auf uns allein gestellt. Und so sind es viele Eltern heute noch.
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Die Forschung zeigt: Das Übersehen von 2e-Kindern ist kein Zufall, sondern liegt in den Neurodivergenzen selbst begründet. Ein Grund liegt im sogenannten Masking. Ein ADHS kann eine Hochbegabung überdecken, und eine Hochbegabung kann umgekehrt ein ADHS überdecken. Die Betroffenen kompensieren, oft über Jahre. Eine Diagnostik, die stark auf Beobachtung angewiesen ist, tut sich mit diesem Wechselspiel naturgemäß schwer.
Die erste Diagnostik unseres älteren Sohnes ergab ein ADHS mit einer überdurchschnittlichen Begabung. Also lag der Fokus lange nur auf dem ADHS, auf der Bewältigung von Defiziten. Die besondere Begabung, die zu dem Zeitpunkt „nur" überdurchschnittlich ausfiel, geriet dabei aus dem Blick. Im Nachhinein frage ich mich, ob das selbst schon ein Masking-Effekt war?
Eine US-Studie mit Daten aus der ECLS-K-Langzeituntersuchung hat genau diesen Punkt systematisch untersucht. Die Forscher verglichen die Leistungswerte von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf. Das Ergebnis war, dass rein rechnerisch, nur nach Leistung betrachtet, Kinder mit Förderbedarf 10,8 % der Plätze in Begabtenprogrammen belegen müssten. Tatsächlich sind es deutlich weniger. Besonders häufig übersehen wurden dabei Jungen, nicht-weiße und einkommensschwache Kinder sowie Kinder mit einem eher zurückhaltenden, introvertierten Verhalten.
Genau das ist der Kern des Problems. Sobald bei einem Kind ein Förderbedarf sichtbar oder diagnostiziert ist, schaut man durch eine Defizit-Brille auf dieses Kind. Die unbewusste Erwartung lautet, dass Beeinträchtigung und Höchstleistung nicht gleichzeitig existieren können. Bei stillen, zurückhaltenden Kindern kommt erschwerend hinzu, dass sie ohnehin nicht auffallen, weder durch ihre Begabung noch durch ihre Herausforderung. Sie werden schlicht in beide Richtungen übersehen. Das Muster ist international dasselbe: Wo ein Defizit sichtbar ist, wird das Potenzial übersehen.
Wie ernst es um die strukturelle Förderung von 2e-Kindern in Deutschland steht, zeigt eine einzelne Zahl besonders deutlich. Es gibt in ganz Deutschland genau eine Schule, die sich gezielt an twice exceptional Kinder richtet. Es ist die eingangs erwähnte Oswald-von-Nell-Breuning-Schule – Abteilung 2e - in Offenbach am Main. Lass dir das nochmal auf der Zunge zergehen: Eine einzige Förderschule für twice exceptionals für ein ganzes Land.
Für Underachievement gibt es immerhin vereinzelte Pilotprojekte. Die KARG-Stiftung ist in Zusammenarbeit mit verschiedenen Landesministerien hier tätig. Aber flächendeckend wurde bislang nichts umgesetzt. Für twice exceptional existiert praktisch nichts Vergleichbares. Dabei bräuchte gerade diese Gruppe eine besondere individuelle Förderung, weil Potenzial und Beeinträchtigung bei jedem Kind anders zusammenspielen. Aber individuelle Förderung setzt Bewusstsein voraus. Und genau dieses Bewusstsein fehlt an den meisten Stellen im System.
Dieser Artikel soll zweierlei bewirken. Zum einen möchte ich Eltern informieren, dass es dieses Phänomen gibt und sie mit ihrer Verwirrung nicht allein sind. Zum anderen soll dies ein Weckruf an das Bildungssystem und sämtliche Bildungsverantwortliche sein, dass Potenzial und Defizit gleichzeitig auftreten können und beides gesehen werden muss. Eine Hochbegabung schließt ein ADHS nicht aus, und ein ADHS verdeckt nicht automatisch die Begabung dahinter.
Die Holschuld darf nicht dauerhaft bei den Eltern bleiben. Es braucht Bewusstsein in der Lehramtsausbildung, in der Förderschullehrkraft-Ausbildung und in der Diagnostik. All das müssen Pflichtelemente in der Ausbildung sein, damit die Holschuld der Eltern zu einer Bringschuld der Bildungsverantwortlichen wird. Nur so werden Eltern entlastet und ernst genommen, sodass gemeinsame Lösungen entstehen können.
Letztendlich geht es darum, Glaubenssätze aufzulösen, dass Begabung und Einschränkungen nicht gleichzeitig vorliegen können. Es braucht eine achtsame Begleitung der Herausforderungen und im gleichen Zuge eine Förderung des Potenzials im Sinne einer klugen Begabungsförderung.

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Du fühlst dich gerade allein mit der Situation, mit Konflikten in der Schule und einem Kind, das leidet? Du hast das Gefühl, dass weder Lehrkräfte noch Freunde oder Verwandte wirklich verstehen, was in eurer Familie gerade los ist?
Du bist nicht allein.
Ganz spontan habe ich mich dafür entschieden, diesen Artikel Unerkannt hochbegabt und weiblich zu schreiben. Ermutigt wurde ich gestern durch eine persönliche Nachricht auf Social Media. Darin bedankte sich eine Followerin dafür, dass ich mich dem Thema „hochbegabte Mädchen – hochbegabte Frauen“ widme. Das ist jedoch für mich noch ein relativ neues Thema als spät erkannte hochbegabte erwachsene Frau. Aber für mich ergibt es immer mehr Aha-Effekte, wenn ich auf mein eigenes Leben zurückblicke. Die Zusammenhänge werden immer klarer. Und vielleicht fragst du dich auch, warum du dich dein Leben lang falsch gefühlt hast.
Als Mutter von zwei hochbegabten Jungs bin ich nie auf die Idee gekommen, selbst hochbegabt zu sein. Tatsächlich habe ich das Thema in unserer Familie eher meinem Mann und unseren Söhnen zugeschoben. Als schüchternes Mädchen habe ich mich stets gut angepasst, war harmoniebedürftig, hasste Streit und war eine mittelmäßige bis gute Schülerin.
Mit Freundschaften tat ich mich oft schwer, weil ich irgendwie nicht reinpasste. Ich hinterfragte mich ständig und suchte bei mir selbst die Fehler dafür. Lieber zog ich mich zurück und wurde zur Tagträumerin. Nur Musik war das, was mich wirklich begeisterte und wo ich früh bedingungslose Anerkennung als junge Dirigentin, Seminarleiterin und Landesausbildungsleiterin im Feuerwehrverband Hessen fand.
Heute habe ich meine eigene Hochbegabung annehmen dürfen. Mit dem Schreiben meines Buchs „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“ war ich überhaupt erst auf die Idee gekommen, dass auch ich zur Hochbegabung meiner Söhne beigetragen haben könnte. Dem verbreiteten Mythos, dass Frauen die Hochbegabung an ihre Kinder vererben, begegnete ich erst später. So eröffnete sich durch die erkannte Hochbegabung für mich eine neue Welt.
Vieles aus meiner Vergangenheit erklärte sich für mich dadurch. Zwar nicht auf einen Schlag, aber es kommen immer wieder neue Erkenntnisse dazu. Und heute ist es die Erkenntnis, dass es so wichtig ist, unerkannte hochbegabte Frauen darüber aufzuklären, dass sie endlich zu sich selbst stehen dürfen. Vor allem, wenn sie das Gefühl haben, da ist noch etwas, was sie nicht greifen können.
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In meinem Buch "Hochbegabt gescheitert - und neue Türen öffnen sich" kannst du mehr über all die Herausforderungen, die wir bewältigen mussten, erfahren.
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Begonnen hat dieser Prozess mit meiner eigenen Blogparade 2025. Über 10 Frauen erzählten dort ihre Geschichte mit Hochbegabung, und ich erkannte mich in einigen davon wieder. Richtig Fahrt nahm das Thema für mich aber erst vor einigen Wochen auf, als ich zu einem Interview über hochbegabte Frauen für die FAZ eingeladen wurde. Dabei wurde mir noch einmal bewusst, wie wichtig es ist, dass hochbegabte Mädchen schon früh erkannt werden.
Aus dieser Erkenntnis heraus ist mein Artikel über das Erkennen hochbegabter Mädchen und ihre Förderung in der Schule entstanden. Denn bleibt eine weibliche Hochbegabung unerkannt, kann sich dies negativ auf das eigene Erleben, auf den Selbstwert, die Selbstwirksamkeit und das Selbstvertrauen auswirken. Diese Erlebnisse gibt es zuhauf. Ich teile diese Erlebnisse ebenfalls und erzähle in meinem Artikel, wie ich mit 53 Jahren eine Begabungsdiagnostik, also einen IQ-Test, gemacht habe.
Das ist meine Geschichte, in der du dich vielleicht in Teilen selbst erkannt hast. Vielleicht hast du aber auch andere Dinge erlebt, die dich an dich selbst haben zweifeln lassen. Wenn du schon etwas älter bist, weißt du, dass wir in einer Zeit aufgewachsen sind, in der die Rollenverständnisse anders waren. Aber auch, wenn du jung bist, so trägst du immer noch die Prägungen und Glaubensmuster deiner Eltern und Großeltern in dir, die du als Kind fraglos übernommen hast.
Frauen verdienten stets weniger Geld als Männer, sie mussten früher ihren Mann um Erlaubnis bitten, wenn sie einen Job annehmen wollten. Starke und selbstbewusste Frauen wurden immer argwöhnisch betrachtet und als arrogant oder egozentrisch wahrgenommen. Diese Zeiten sind vorbei, doch die Erziehungsmuster und Prägungen begleiten uns heute noch.

Das führt aktuell zu einer gesellschaftlichen Zerrissenheit. Viele Frauen haben das Gefühl, irgendwie falsch zu sein. Sie wissen nicht warum, aber sie spüren, dass sie anders sind. Man nennt dies auch umgangssprachlich das „Alien-Gefühl“. Auch in der Schule wird eine Hochbegabung eher Jungs zugeschrieben, vor allem, wenn sie ein auffälligeres Verhalten an den Tag legen.
Ein interessanter Fakt: Die Studienlage zu IQ-Diagnostiken im Geschlechterunterschied ist dünn gesät und veraltet, doch ich schätze, dass sich daran über die Jahre nicht viel verändert hat. Bereits 1996 untersuchten Stapf & Stapf hochbegabte Mädchen und ihre Persönlichkeitsentwicklung. Das Ergebnis: Nur 25 % der Kinder, die eine psychologische Diagnostik erhalten, sind Mädchen. Jungen werden also deutlich häufiger getestet und damit auch häufiger als hochbegabt erkannt.
Mädchen neigen bis auf wenige Ausnahmen eher dazu, sich zurückzuziehen, anzupassen und Harmonie zu wahren. Sie machen sich klein, um dazu zu gehören und beeinflussen ihre Leistungen bis hin zur Notengebung nach unten. Obwohl ein hohes kognitives Potenzial da ist, entsteht somit keine Selbstwirksamkeit, dafür nehmen die Selbstzweifel zu. Sie fühlen sich nicht zugehörig und schlucken ihren Drang nach mehr Wissen hinunter. Viele leiden still.
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Werden diese Mädchen größer und älter, dreht sich dieses Spiel weiter. Die ständige Anpassungsleistung kostet Kraft, die psychosomatischen Beschwerden nehmen zu. Manche rutschen in Depressionen oder entwickeln Schulangst. Und ja, es gibt auch die Mädchen, die ihren Weg gehen, die forschen, malen, schreiben, sich ausleben, rebellieren und sich nichts gefallen lassen. Aber diese gehören leider zur Seltenheit.
Später im Job geht es dann weiter. Die Zugehörigkeit fehlt immer noch, sie träumen möglicherweise von einer Selbstständigkeit, aber ihnen fehlt der Mut. Vielleicht fällt ihnen der SmallTalk schwer und sie haben keine Lust mehr darauf, sich anzupassen. Sie ecken an, wechseln die Jobs und sind ihr Leben lang auf der Suche nach dem, was wirklich in ihnen steckt. Sie schaffen es aber nicht, sich selbst zu verwirklichen. Weil sie ihren eigenen Fähigkeiten nicht vertrauen und das Imposter-Syndrom (Hochstapler-Syndrom) sie in allem begleitet.
Unerkannt hochbegabt und weiblich: Wie wäre das Leben von hochbegabten Mädchen verlaufen, wenn bei ihnen bereits früh in der Schulzeit die Hochbegabung entdeckt worden wäre? Eine Diagnostik sorgt dafür, dass das Anders-Sein endlich einen Namen hat. Das ist eine wichtige Erkenntnis für das Kind und natürlich auch für die Eltern, womit sich die ganze Familie identifizieren lernt. Förderungen werden möglich und ein optimales Umfeld hilft dabei, dass das Kind seine Potenziale leben kann.
Sind die Mädchen kognitiv ausgelastet, dürfen sie ihren Interessen nachgehen und werden sie in der Schule entsprechend gefördert, kann sich die Selbstwirksamkeit entwickeln. Das wirkt sich wiederum positiv auf das eigene Selbstverständnis und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten aus. Vorausgesetzt, dass Lehrkräfte in der Lage und willens sind, hochbegabte Kinder insgesamt zu fördern. Das ist aber noch ein ganz anderes Thema.

Dieses Mädchen wird schon früh einen anderen Weg suchen und es eher schaffen, zu sich zu stehen. Eltern schaffen es leichter, das Kind zu unterstützen, eigene Rollenverständnisse zu hinterfragen und über Bord zu werfen. Auch auf die Wahl eines Ausbildungsplatzes oder eines geeigneten Studiums kann das Wissen um die eigenen Potenziale große Auswirkungen haben. Die junge Frau kann sich ausprobieren und ihren Weg leichter finden.
Wird diese junge Frau irgendwann einmal Mutter, ist sie bereits sensibilisiert für die besonderen Herausforderungen von Hochbegabten. Die Unterstützung ihrer eigenen Kinder im Falle einer vererbten Hochbegabung ist damit viel leichter. Dann endlich ist der generationsübergreifende Kreislauf durchbrochen. Denn hinter der jungen hochbegabten Frau stecken möglicherweise hochbegabte Eltern und Großeltern, die sich selbst ihr Leben lang hinterfragt haben, sich anders fühlten aber keine Antwort darauf fanden.
Bullshit-Bingo "Hochbegabung” für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte.
Nie mehr sprachlos: 24 Mythen über Hochbegabung und ihre Auflösung.
Heute befinden wir uns in einem Übergang, so nehme ich es wahr. Auf der einen Seite erfährt das Thema Hochbegabung und Underachievement (schulische Minderleistung aufgrund von Resignation) immer mehr Aufmerksamkeit. Auch wenn es von vielen Lehrkräften noch als Luxusproblem angesehen wird. In der Lehramtsausbildung wird es jedoch nach wie vor kaum thematisiert.
Auf der anderen Seite gibt es viele spät erkannte hochbegabte Frauen, die sich mit ihrer Vergangenheit versöhnen zu versuchen. Späte Diagnostiken dürfen immer mehr der Vergangenheit angehören, wenn wir damit beginnen, die Bedürfnisse und Situationen von hochbegabten Mädchen in den Fokus zu stellen. Eine frühe Begabungsdiagnostik erspart also viel zukünftiges Leid und mühevolle Aufarbeitungsprozesse.
Vielleicht bist du nach dem Lesen hellhörig geworden? Vielleicht fragst du dich insgeheim, ob du auch eine dieser unerkannten hochbegabten Frauen bist? Vielleicht winkst du aber auch ab, weil du genau weißt, dass du dich eh nie einem Test stellen würdest. Du würdest dir das nicht anmaßen, denn schließlich empfindest du dich selbst nicht als hochintelligent. Klar, da sind ein paar Punkte, die schon passen - aber nein, doch nicht du. Eher dein Mann, oder … lassen wir das Gedankenspiel, welches ich sehr gut kenne, und schreiten zur Tat.
Ich habe einen Reflexionsguide entwickelt: „(Unerkannt) Hochbegabt und weiblich“. In diesem Reflexionsguide sind 25 Fragen enthalten. 5 davon möchte ich dir jetzt und hier stellen und dich dazu einladen, sie auf dich wirken zu lassen und sie für dich zu beantworten:
Wie ist deine Antwort darauf? Findest du dich wieder? Möchtest du weitere Fragen für dich beantworten, die darauf hindeuten können, dass du eine besondere Begabung hast? Alle 25 Fragen findest du in meinem Reflexionsguide, über den du dich hier informieren kannst:

In meinem Blog geht es um Hochbegabung und Underachievement in der Schule. Ich möchte, Lehrkräfte sensibilisieren für die besonderen Herausforderungen dieser Kinder und Möglichkeiten aufzeigen, diese zu fördern. Vor allem Mädchen verdienen aus den oben beschriebenen Gründen noch einmal besondere Aufmerksamkeit.
Ich möchte daran mitwirken, dass auch Mädchen schon früh ihr Potenzial sehen und es annehmen können. Aus diesem Grund erzähle ich meine Geschichte und kenne die vieler anderen spät erkannten hochbegabten Frauen. Ich sehe die Anstrengungen, die Frustrationen, die Resignation und die Kraft, die sie aushalten müssen, wenn sie ihre eigene Geschichte aufarbeiten. Aber auch die Freude dabei und ihr steigendes Selbstbewusstsein, die oft in einem unbändigen Befreiungsschlag münden.
Solltest du eine dieser Frauen sein, wünsche ich dir viel Kraft, wohltuende Begegnungen mit Gleichgesinnten, Hilfestellungen, die du dir wünschst und ein starkes Selbstvertrauen in dich und dein Potenzial. Vielleicht ist mein Reflexionsguide ein kleiner Wegbegleiter dafür. Er kommt aus meinem Herzen und aus meiner Erfahrung – für dich!
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