Mein Rückblick des Bildungsforums Vision@Schule in Wetzlar

3. April 2025

Ich glaube, ich wäre nie auf die Idee gekommen, an einem Bildungskongress teilzunehmen. Doch irgendetwas zog mich dahin und durch einen glücklichen Zufall erhielt ich die Gelegenheit, sogar eine Lesung in einem Bildungsforum beizutragen. Darüber war ich sehr glücklich, denn für das Bildungsforum Vision@Schule hatten sich 300 Lehrkräfte aus ganz Deutschland angemeldet. Mein Rückblick des Bildungsforums Vision@Schule in Wetzlar ist daher der Inhalt dieses Beitrags. Ich möchte damit Mut machen und aufzeigen, dass sich in Schule sehr wohl etwas verändert und dennoch die Veränderungen immer bei jedem selbst beginnen.

Teilnehmerin und Referentin im Kreis von 300 Lehrkräften

Ein paar Tage vor dem Bildungsforum in der Albert-Schweitzer-Schule in Wetzlar blätterte ich noch einmal meine Unterlagen für meine Lesung durch. Im November 2024 las ich auf Instagram, oder besser gesagt im "Insta-Lehrerzimmer", von dem Bildungsforum Vision@Schule. Da dieser nur 5 km von mir entfernt stattfinden sollte, zögerte ich nicht und meldete mich umgehend als Teilnehmerin an.

Über Instagram kam ich mit der Schulleiterin Astrid Kalantzis ins Gespräch. Ich nahm meinen Mut zusammen und fragte sie, ob ich eine Lesung zu meinem Buch während des Forums anbieten könne. Sie zeigte sich sofort begeistert von der Idee und schon war ich inhaltlich in der taskcard erwähnt. Diese wird von vielen Schulen als eine Art Pinnwand genutzt. Also gab es auch eine für das Bildungsforum.

Hochbegabt gescheitert Susanne Burzel

Aus diesem Buch habe im Rahmen des Bildungsforums Vision@Schule gelesen: „Hochbegabt gescheitert - und neue Türen öffnen sich“.

Bei Amazon - oder im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3982620169

Der erste Tag beim Wetzlarer Bildungskongress Vision@Schule

Am 28. März 2025 war es dann so weit. Ich packte meine Bücher ein, darunter signierte Exemplare, die ich übergeben wollte. Die Anfahrt war kurz, sodass ich pünktlich vor Ort war. Auf dem Schulhof befanden sich schon einige Lehrkräfte und genossen die Frühlingssonne. Mir war etwas mulmig, denn ich wusste nicht, was mich als Mutter im Kreis von 300 Lehrkräften und das noch mit dem sensiblen Lesungs-Thema Hochbegabung erwarten würde.

Der Empfang war freundlich und zugewandt. Wir Referenten erhielten sogar ein kleines Willkommensgeschenk. Mir fiel sofort auf, wie hell, bunt, offen und fröhlich die Atmosphäre in der Albert-Schweitzer-Schule war. Die Grundschule ist seit einigen Jahren eine selbstständige Schule, von der es nur wenige in ganz Hessen gibt. Das bedeutet vereinfacht gesagt mehr pädagogischen Freiraum, aber auch höhere Anforderungen.

Eine normale Grundschule und doch viel mehr

Sehr zeitig angekommen schlenderte ich zunächst durch die Schule und verschaffte mir einen ersten Eindruck. Vieles erinnerte an eine normale Grundschule, doch es gab viele Ecken, die anders waren. Vor allem fielen mir die Spielflure auf. Die verschiedenen Elemente luden zum Entspannen, Toben und Klettern ein. Die Klassenräume waren offen und vielseitig eingerichtet, die typische Bestuhlung suchte man vergebens.

Ebenso waren positive Affirmationen an den Wänden angebracht, welche die Kinder über den Tag begleiten. Dies fiel mir auf, als ich meinen Weg aus dem zweiten Stock wieder nach unten fand. Ich stellte mich an einen Stehtisch und beobachtete das Geschehen um mich herum. Eine Lehrerin schien ebenfalls allein zu sein und fragte, ob sie sich dazu stellen könnte. Ich sagte dankbar: „Ja, gerne“ und wir kamen ins Gespräch, bevor wir zur ersten Keynote in die Turnhalle gingen.

Großartige Keynotes umrahmten den Bildungskongress

Das Bildungsforum Vision@Schule in Wetzlar verlief über zwei Tage. Beide Tage wurden von bekannten Keynote-Speakern umrahmt, die der ganzen Veranstaltung einen würdigen und emotionalen Rahmen gaben.

Prof. Dr. Ferdinand Stebner eröffnete das Bildungsforum

Prof. Dr. Ferdinand Stebner eröffnete den Kongress mit seiner Keynote: „,Echtes‘ vs. selbstreguliertes Lernen?“ Er klärte über Mythen zu diesem Thema auf und erläuterte wissenschaftliche Hintergründe dazu. Selbstreguliertes Lernen müsse gelernt und geübt werden. Und das kann jeder Schüler und jede Schülerin. Vor allem ist es nicht gleichzusetzen mit offenen Lernformaten, in denen die Kinder auf sich selbst gestellt sind.

Nach dieser Keynote wurden wir in die Workshops entlassen. Ich entschied mich jedoch zunächst dafür, Ferdinand und Stefan Ruppaner aufzusuchen. Wie es der Zufall will, fand ich die beiden in der Aula in Gesprächen mit Lehrkräften vertieft. Ich wartete, überreichte Stefan und Ferdinand mein signiertes Buch und ließ mir von Stefan sein Buch signieren.

Hochschule für Schmetterlingspädagogik

Wir unterhielten uns kurz und ich erfuhr, dass Stefan eine Hochschule für Schmetterlingspädagogik eröffnen möchte. Diese Pädagogik vereint das selbstorganisierte Lernen ohne Unterricht mit dem handlungsorientierten Lernen durch Erleben. Ich finde, das ist genau der richtige Weg, kommt diese Art von Lernen doch gerade unseren hochbegabten Kindern sehr entgegen.

Nach dem kurzen Kennenlernen ging ich zurück in die Turnhalle, in der die Schulleiterin Astrid Kalantzis mit Simon Groot Bramel über ihre Schulentwicklung berichteten. Ich bewundere den Mut, den die beiden und das Kollegium zu haben. Denn genau das braucht es, um Schule zu verändern. Die vielen Fragen aus dem Publikum zeigten, dass der Wille für Veränderungen insgesamt groß ist, aber der erste Schritt oft schwierig. Doch das Bildungsforum sollte dazu beitragen, Hemmschwellen abzubauen, sich zu vernetzen und einen Anfang zu finden.

Signatur Stefan Ruppaner

Stefan Ruppaner begeisterte mit der Alemannenschule Wutöschingen

Am Abend schloss Schulleiter und Spiegel-Bestseller-Autor Stefan Ruppaner den Tag mit seiner Keynote ab. Er ist Gründer der Alemannenschule in Wutöschingen, die 2019 Preisträger des Deutschen Schulpreises war und Autor des Buchs "Das könnte Schule machen". Mit seinem Motto „Unterricht ist aller Übel Anfang“ begeisterte und berührte er.

Leidenschaftlich setzt er sich für eine andere Sicht des Lernens ein und zeigte an praktischen Beispielen, was in einer Schule möglich ist. Tatsächlich hatte ich auch ein paar Tränen in den Augen, denn ich bin mir sicher, wenn unsere Kinder so eine Schule von Anfang an hätten genießen dürfen, wäre unsere Geschichte anders verlaufen.

So sprach er sich gegen Lehrpläne aus, da sie ein sinnerfülltes Lernen behindern. Hier musste ich daran denken, dass gerade das für unsere beiden Kinder so wichtig war. Die fehlende Sinnhaftigkeit waren ein Grund für die Schulverweigerung. Bob Blume hat dazu in seinem Buch „Warum noch lernen“ einiges dazu gesagt. Stefan führte noch weitere Punkte auf zum Thema Schulbücher (Lernen im Gleichschritt) oder Klassenzimmer (bieten nicht den Raum zum Lernen).

Keynotes, Lesung und Workshops am zweiten Tag

Auch für die Unterhaltung hatte das Team der Albert-Schweitzer-Schule gesorgt. Ein DJ feuerte zum Tanzen an, es gab eine Weinbar und Essen von der Woscht Anna. Mittlerweile fühlte ich mich komplett integriert und hatte während des Tages schon einige nette Gespräche mit Lehrkräften geführt. So ging es auch am Abend weiter. Der nächste Morgen begann glücklicherweise nicht ganz so früh.

Steven Bauer ermutigt für den ersten Schritt

„Mut zur Transformation“ war der Titel des Impulsvortrages von Steven Bauer. Er ist stv. Schulleiter und seine Schule startete vor zwei Jahren ihren Weg in Richtung selbstgesteuertes Lernen. Mir hat der Vortrag sehr gut gefallen, vor allem aus einem Grund. Am Vorabend berichtete Stefan von seiner Schule, die einfach nur perfekt ausgestaltet und im neuen Schulzeitalter angekommen ist. Was aber macht eine Schule, die noch von traditionellen Mustern in Sachen Räume und Haltungen durchzogen ist?

Genau das hat Steven aufgezeigt. Er präsentierte improvisierte Klassenräume und Lernateliers und berichtete von seinen ersten Schritten im Bereich selbstgesteuertes Lernen. Die Hemmschwelle, etwas zu verändern, dürfte nach seinem Vortrag bei den Teilnehmenden um einiges gesunken sein.

Seinen Aufruf bestärkte er auch mit dem Motto: „Sei leidenschaftlich, sei visionär, mach’s einfach!“. Später traf ich Steven durch Zufall am Getränkestand und wir kamen kurz ins Gespräch. Auch er erhielt ein signiertes Buch von mir.

Steven Bauer bei bei Vision@Schule in Wetzlar

Workshops zu Growth Mindset mit Tine und Isi

„Irgendwoher kenne ich dich…“, diese Frage war die meistgestellte in meinem Kopf an diesen beiden Tagen. Das Insta-Lehrerzimmer war in Wetzlar gut vertreten. So auch Tine und Isi von @schul_erfolgeteilen. Das Thema „Die Kraft von Growth Mindset und …. Erfolge feiern…“ sprach mich am meisten an. Ich erhielt großartige Impulse, wie ein Growth Mindset im Schulleben umgesetzt werden kann.

Denn hier geht es um Wertschätzung und um einen positiven Blick auf die individuellen Erfolge. Genau das ist es, was hochbegabte und hochsensible Kinder besonders brauchen. In einem wertschätzenden und potenzialorientierten Umfeld ist es für jedes Kind einfacher, seine PS auf die Straße zu bringen. Es lenkt den Blick auf die eigenen besonderen Fähigkeiten und stärkt das Kind.

Ein Baumhaus zum Träumen Susanne Burzel

"Ein Baumhaus zum Träumen". Ich habe ein Buch für die perfekte Abendroutine für (hochsensible oder ADHS) Kinder mit Traumreisen zur Stärkung des Selbstwertgefühls geschrieben. 
Vorlesebuch für Kinder ab 4 Jahren - bei Amazon.

Auch als Hörbuch hier erhältlich. (selbst von mir eingesprochen)

Meine Lesung zu „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“

Zeitgleich mit meiner Lesung wurden 9 Workshops am Samstagnachmittag angeboten. Umso glücklicher war ich, dass ca. 20 Lehrkräfte den Weg zu mir in die „Faultierklasse“ gefunden hatten. Ich las aus meinem Buch und gab darüber hinaus Hintergrundinfos zu Hochbegabung und Underachievement.

Während der ganzen Lesung spürte ich eine sehr konzentrierte Atmosphäre. Ich blickte in berührte Gesichter und freute mich, dass ich den ein oder anderen Tipp geben konnte. Nach der Lesung erhielt ich wirklich schöne Rückmeldungen und war einfach nur glücklich. Ich glaube, den Rest des Tages schwebte ich nur noch durch die Gegend.

Bob Blume hält die abschließende Keynote

Also schwebte ich auf den Schulhof und sah Bob Blume in der Sonne stehen. (Ein passendes Bild, oder?) Er begrüßte mich, hatten wir uns doch letztes Jahr auf der Buchmesse persönlich kennengelernt. Also hatte er bereits mein Buch und ich seine Signatur in seinem Buch. Das Wiedersehen war jedenfalls schön.

Bob Blume bei Vision@Schule in Wetzlar

Seine Keynote bildete einen würdigen Abschluss des Bildungskongresses. Ich lernte ein neues Wort: „anverwandeln“ und fand es schön, wie er seinen Blick auf das Lernen und auf Schule vermittelte. Lernen muss berühren, das öffnet den Menschen für die Freude am Lernen. Das gelingt aber kaum, wenn Gleichaltrige zum gleichen Zeitpunkt das gleiche in einem gleichen Raum lernen - um einen Ausschnitt aus seinen 10G zu geben. Theaterspielen sei eine interessante Form, Lernen berührend zu erleben. Es ist ein Anverwandeln, ein sich zu eigen machen und durch Imitation dem anderen ähnlich werden, was eine Emotion auslöst, also berührt. So habe ich es zumindest verstanden.

Mein Rückblick des Bildungsforums Vision@Schule in Wetzlar

Wie fühlte es sich also für mich an, als Mutter inmitten von Lehrkräften? „Es war einfach großartig“, würde meine Antwort lauten. Das Wochenende war organisatorisch perfekt vorbereitet vom Team der Albert-Schweitzer-Schule. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an euch! Ihr habt an jede Kleinigkeit gedacht und alles sehr liebevoll gestaltet.

Ich bin begeistert von den Menschen, die dort waren. Nicht nur, dass ich einen alten Bekannten getroffen habe, mit dem ich vor 30 Jahren eine nebenberufliche Dirigentenausbildung gemacht habe (er ist an der Schule derzeit Musiklehrer). Ich habe Menschen wiedergesehen, mit denen ich Abitur gemacht habe und Grundschullehramt in Gießen in den 90er Jahren studiert habe. Darüber hinaus habe ich viele nette und interessante Gespräche geführt, Spaß gehabt, gelacht, gestaunt und mich von der wundervollen Aufbruchstimmung mitreißen lassen.

Dieses Bildungsforum Vision@Schule in Wetzlar war ein wichtiger Schritt, um Veränderungen im Schulsystem zu ermöglichen. Damit unsere Kinder dank der selbstregulierten und selbstgesteuerten Lernkonzepte potenzialorientiert gefördert und gefordert werden können. All das tragen 300 Lehrkräfte in ihre Schulen in ganz Hessen, die jetzt hoffentlich alle die ersten Schritte gehen und Schule verändern. Ich finde das einfach wunderbar!

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Susanne Burzel Autorin
2024 veröffentlichte ich mein Buch "Hochbegabt gescheitert - und neue Türen öffnen sich". Seitdem schreibe ich in meinen Blogartikeln über meine Erfahrungen zum Selfpublishing aber auch über Hochbegabung und allem, was das Thema berührt. 

Ich führe seit über 12 Jahren meine eigene Werbeagentur und profitiere von einer vielfältigen Erfahrung (Grundschullehramt, Diskothek, Werbekauffrau, Dipl. Betriebswirtin, Dirigentin, Autorin, Podcasterin). 

Meine eigene Hochbegabung entdeckte ich erst, als ich 52 Jahre alt war. Ich möchte Eltern Mut machen und Lehrkräfte sowie Verantwortliche für das Thema sensibilisieren.

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