Heute gehen viel Liebe und Dankbarkeit raus. Denn heute schreibe ich über eine Lehrkraft, die mir einen guten Start in mein Schulleben ermöglicht hat. Das sagen zumindest meine Erinnerungen, die ich noch habe. Wenn ich zurückdenke an meine Grundschulzeit, bleibt in Wirklichkeit nur ein Gefühl. Es gibt wenige Situationen und Geschehnisse, an die ich mich konkret erinnere. Also versuche ich diesem auf die Spur zu kommen in meinen Beitrag zu meiner Blogparade „Erinnerung an eine Lehrkraft, die mich (oder mein Kind) besonders gefördert hat“.
Eine behütete Grundschulzeit war ein guter Start
In meinem Blog schreibe ich über Hochbegabung und Underachievement. Und auch davon, wie frustrierend der Schulanfang für hochbegabte Kinder sein kann. Hochbegabung hat in meiner Kindheit keine Rolle gespielt. Ich war ein schüchternes und angepasstes Mädchen, welches ein Jahr vorzeitig eingeschult wurde.
Das aber nicht, weil ich so clever war, sondern weil meine Einschulung und die meines besten Freundes dazu geführt hat, dass die Klasse in zwei Klassen aufgeteilt werden konnte. Also waren wir beide immer die Jüngsten in der Klasse. In der ersten Klasse hatten wir eine strenge Lehrerin, die nach dem Schuljahr in Rente ging. Ich erinnere mich nur noch daran, dass sie eines Tages einem Mitschüler den Kopf gewaschen hat – im wahrsten Sinne des Wortes.
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Ich fühle mich von Frau Welsch gesehen
Das waren andere Zeiten, ich bin 1976 eingeschult worden. In der zweiten Klasse bekamen wir dann eine neue Klassenlehrerin, Frau Welsch. Sie trug oft Kleider und hatte braune, wellige Haare bis auf die Schultern. Ich fühlte mich bei ihr gut aufgehoben und auch gesehen. Also ging ich gerne in die Schule. Das ist das Gefühl, was ich heute habe, wenn ich an meine Grundschulzeit zurückdenke.
Es gibt ein paar Begebenheiten, an die ich mich zurückerinnere. So hatten wir einen Ausflug an die Lahnquelle und wir sollten sie finden. Wer sie zuerst gefunden hat, sollte eine D-Mark bekommen. Ich ging einen anderen Weg als die anderen und fand sie zuerst. Erst dann kamen die anderen Kinder woanders her und forderten ihren Gewinn ein. Es war knapp, aber Frau Welsch hatte mich gesehen und auch, dass ich die erste vor Ort war, und ich bekam die eine Mark. Jedoch unter Protest der anderen.
Ein gutes Grundgefühl trug mich, obwohl ich mich oft schlecht fühlte
Sie sang gerne mit uns im Unterricht und wir führten Theaterstücke auf. Das gefiel mir besonders. Ich erinnere mich, dass ich bei ihr oft vorne gesessen hatte. Wie gesagt, es bleibt mehr ein Gefühl des Wohlbefindens als konkrete Anlässe. Später, als wir in der weiterführenden Schule waren, besuchten wir sie 1–2-mal zuhause. Dann starb sie sehr früh und ich denke daran zurück, dass viele Menschen auf der Beerdigung waren.
Ansonsten war meine Schulzeit vor allem dadurch geprägt, dass ich immer das Gefühl hatte, ich gehöre hier nicht so recht dazu. Es war ein diffuses Gefühl und so saugte ich jegliche Anerkennung auf, die ich bekommen konnte. Wenn wir von den Jungs geärgert wurden, traf mich das tief. Leider hatte ich auch eine komplizierte 3er-Mädchen-Freundschaft und fühlte mich oft wie das 5. Rad am Wagen. Aber auch das überstand ich, weil ich ein gutes Grundgefühl hatte, was Frau Welsch vermittelte.
Andere wohlwollende Lehrkräfte in der weiterführenden Schule
Als ich im Vorfeld überlegte, welche Lehrkraft ich in diesem Artikel beschreibe, fiel mir die Entscheidung schwer. Denn tatsächlich haben mich viele Lehrkräfte begleitet, an die ich heute noch gerne zurückdenke. Jedenfalls neben all den anderen, die negative Spuren hinterlassen haben. Diese sollen hier aber kein Thema sein.
Vorbildliche Lehrkräfte auf dem Gymnasium
In der weiterführenden Schule besuchte ich ein Gymnasium in der nächsten größeren Stadt. Dort fühlte ich mich etwas verloren. Die Schule war in einem Brennpunkt, daher waren die Mitschüler in der damaligen Förderstufe – sagen wir – anders. Hier wehte ein rauer Wind und Kinder wurden auch schon einmal auf der Toilette bedroht oder sie wurden bestohlen.
Glücklicherweise gab es neben einer neuen besten Freundin auch einige Lehrkräfte, die mir die andere Seite gezeigt haben. Denn von einem wohlbehüteten Umfeld in ein raues Umfeld war es für mich schon ein großer Schritt. Ich erinnere mich an meinen Französisch-Lehrer. Meine erste Fremdsprache in der 5. Klasse war damals Französisch. Ich liebte es, bei ihm zu lernen. Herr Stahl hat uns sehr gefördert und einen guten Unterricht gemacht. Ruhig, geräuschlos, wertschätzend und wohlwollend. Das spürten wir alle.
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Mobbing – Klassenwiederholung - Neue Klassengemeinschaft
Dementsprechend waren meine Noten bei ihm, ich hatte eine 1. Und da war die Klassenlehrerin, Frau Gun, eine Französin. Sie war ebenfalls eine sehr gute Lehrerin und sie sorgte für eine gute Klassengemeinschaft. Nach der Förderstufe wurden wir in Hauptschule, Realschule und Gymnasium eingeteilt.
Die neue Klassengemeinschaft in der 7. Klasse war zerrissen und es gab eine Cliquenbildung. Leider gehörte ich nicht zu den Coolen, wurde gemobbt und wiederholte schließlich die 8. Klasse aufgrund fehlender mündlicher Leistungen. Das war aber mein Glück, denn die neue Klassengemeinschaft hielt zusammen und ich fand zwei neue beste Freundinnen.
Musik war mein Lieblingsfach
Dann war da noch Herr Schulze, mein Mathelehrer. Er war ebenfalls eine ruhige Persönlichkeit, erklärte geduldig und er mochte uns. Uns war es wichtig, ihm zu zeigen, dass wir Mathe lernen wollten und so gaben wir unser Bestes bei ihm. Herr Sälzer war mein Musiklehrer. Er glaubte besonders an mich. Er lehrte mich, meine Stimme im Gesang zu schärfen und zu klären und ermöglichte mir einen Sologesang als Alt-Stimme bei einem größeren Konzert mit weiteren 3 Sängerinnen und Sängern und einem Orchester.
Herr Wehner war ein weiterer Musiklehrer, mit dem ich oft fachsimpeln durfte. Er war Chorleiter und ich mochte seine Art und seine Liebe zur Musik, die er uns oft vermittelte. Insgesamt trug mich die Musik durch meine Schulzeit und durch meine Freizeit. So machte ich mit 17 Jahren meine erste Dirigentenprüfung und schrieb mein Musik-Leistungskurs-Abitur mit 15 Punkten. Die Musiklehrer haben einen großen Teil dazu beigetragen.

Was diese Lehrkräfte gemeinsam haben
Wie gesagt, ich bin 1976 eingeschult worden und machte 1990/91 mein Abitur. 14 Jahre Schulzeit haben mich geprägt in einer Zeit, die so ganz anders war als heute. Unser Schulleiter war die strengste Person, die ich kannte, er ging mit unserer Abiturfeier in Pension. Andere Lehrkräfte haben den Schulalltag erträglich und sogar schön gemacht. Doch was hatten sie gemeinsam? Warum fühlten wir uns bei ihnen wohl?
Heute sprechen wir oft über die Haltung von Lehrkräften. Der Aufbau einer guten Beziehung zwischen Lehrkräften und Schülerinnen und Schüler steht für viele im Vordergrund. Sie bildet die Basis für eine gute Schullaufbahn. Insgesamt kann ich aber drei Punkte benennen, die mich damals getragen haben.
- Gesehen werden und Wohlwollen: Die Lehrkräfte, bei denen ich mich wohlfühlte, vermittelten mir ein Gefühl, dass ich wichtig bin. Ich fühlte mich gesehen und wertgeschätzt. Das, was ich leistete, wurde mit Noten belohnt.
- Beschützend und interessiert: Gerade in der Grundschule fühlte ich mich beschützt von meiner Lehrerin. Sie interessierte sich für mich und ich glaube, sie weckte die Liebe für Musik in mir.
- Fordernd und fair: Einige von den Lehrkräften, die ich mochte, waren auch fordernd in ihrem Unterricht. Dabei blieben sie aber immer fair. Vieles machten wir damals ihnen zuliebe.
Das bedeutet, eine Lehrkraft, die fordernd ist und Leistung verlangt, kann durchaus fair und wertschätzend agieren. Es sind die Lehrkräfte, die uns einen Sinn gegeben haben in dem, was wir machten und lernten. Hier waren wir bereit, die Extrameile zu gehen.
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Lehrkräfte heute – zwischen Tradition und Moderne
Ich glaube, so viel hat sich heute nicht verändert, was die Eigenschaft einer guten Lehrkraft angeht. Es ist wichtig, dass die Kinder in der Schule gut ankommen dürfen und sich gesehen fühlen. Sie spüren das Wohlwollen, welches ihnen entgegengebracht wird. Besonders Kinder, die in der Schule schon früh straucheln, können durch so eine Haltung aufgefangen werden.
Manchmal braucht es auch ein beschützendes Gefühl, dass da eine Person ist, an die sich Kinder vertrauensvoll wenden können. Eine, die sich für das Kind in all seinen Interessen und Herausforderungen interessiert. Und trotzdem dürfen diese Lehrkräfte auch fordern, solange sie fair bleiben. Ich erinnere an den ausgeprägten Gerechtigkeitssinn gerade bei hochbegabten Kindern.
Gerade für hochbegabte oder anderes neurodivergente Kinder spielen diese guten Eigenschaften von Lehrkräften und ihre Haltung eine große Rolle. Letztendlich ist diese Haltung für alle Kinder positiv. Ich denke jedenfalls gerne an Frau Welsch zurück und an all die anderen Lehrkräfte, die diese Rolle auch heute noch in meinen Erinnerungen spielen. Denn sie zeigen, dass es auch anderes geht, als nur im traditionellen Verständnis der reinen, strengen und restriktiv besetzten Wissensvermittlung festzuhängen.

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