Als ich erfuhr, dass Kristin ein Buch schreibt, dachte ich zuerst: „Ach prima, ein Buch über KI in der Grundschule!“. Umso erstaunter war ich, als ich den Titel las: „Heute Kind – morgen stark“. Weshalb die Themen Erziehung, Bildung und künstliche Intelligenz ineinandergreifen, wurde mir mit jeder Seite der Lektüre bewusster. Herausgekommen ist eine Liebeserklärung an unsere großartigen Kinder, ein Plädoyer für Selbstregulation und eine begleitende, statt bestimmende Erziehung. Daher ist es mir eine große Freude, diese Buchempfehlung zu "Heute Kind - morgen stark"* schreiben.
Erziehungsratgeber vor 20 Jahren und heute
Ich selbst habe meine Kinder in Zeiten der „Supernanny“ erzogen. Hier wurde uns Eltern ein klarer und regelorientierter sowie ein autoritär geprägter Erziehungsstil als Lösung vorgestellt. Auch wir probierten die dort empfohlenen Maßnahmen, wie die „stille Treppe“ oder „Time-outs“ aus, in denen die Kinder sich selbst überlassen wurden. Jedoch ohne Erfolg, denn unsere Kinder reagierten auf herkömmliche Erziehungsmaßnahmen schon immer etwas „anders“, wie du hier in unserer Geschichte lesen kannst.
Die Serie „Supernanny“ wurde in den Jahren zwischen 2004 und 2011 im TV ausgestrahlt. In dieser Zeit befanden sich unsere Kinder im Kleinkind- und Kindesalter. Wenn ich heute einen aktuellen Erziehungs-Ratgeber, wie den von Kristin lese, plagt mich zunächst ein schlechtes Gewissen darüber, was wir alles falsch gemacht haben. Das gebe ich zu, aber wir wussten es nicht besser. Auf der anderen Seite feiere ich jeden Satz aus dem Buch, den Kristin schreibt. Es ist sehr deutlich zu spüren, dass frischer Wind in die Erziehungsmethoden eingekehrt ist. Das ist auch gut so, denn die Zeiten haben sich in den letzten 20 Jahren massiv geändert.

Eltern dürfen umdenken in Zeiten, die sich schnell ändern
Zur Erziehung gehört auch die Schule. Als Mutter von zwei hochbegabten Kindern, die den Schulbesuch verweigert haben, bin ich schon lange nah dran am Thema Schule. Bis heute, denn ich liebe es zu beobachten, wie sich das Bildungssystem verändert, wenn auch nur vorsichtig und oft im Kleinen. Aufgrund meines Engagements für ein besseres Verständnis für hochbegabte Kinder durfte ich auch das Wirken von Kristin kennenlernen.
Sie widmet sich als Lehrerin unter anderem der Arbeit mit KI in der Grundschule. Als ich das erste Mal davon hörte, dass KI in der Schule eingesetzt werden soll, war ich strikt dagegen. Ich stand KI kritisch gegenüber, und lehnte es zunächst ab. Die Kinder sollten doch selbst denken lernen und sich auf traditionelle Art und Weise Wissen aneignen – so dachte ich. Aber ich sah Kristins Beiträge auf Instagram und begann, umzudenken.
KI gehört heute zur Lebenswelt von Kindern dazu
Tatsächlich war es Kristin, die meinen ablehnenden Blick auf KI schließlich komplett ins Gegenteil verkehrte. Transparent nimmt sie ihre Follower auf den Social-Media-Kanälen mit in ihre Schule in Potsdam. Täglich erzählt sie vom Umgang ihrer Grundschulkinder mit KI. Ich habe gelernt, dass es gerade aus dem Grund wichtig ist, KI als Werkzeug zu implementieren, weil sie zur Lebenswelt der Kinder gehört. Daher ist es notwendig, einen verantwortungsvollen Umgang damit schon ab dem ersten Schultag zu begleiten.
Was damit einhergeht ist die Erkenntnis, dass sich die Welt um uns herum geändert hat. Mir war schon lange klar, dass das Schulsystem viel zu starr ist und sich in den letzten Jahrzehnten kaum weiterentwickelt hat. Das beginnt im Lehramtsstudium, geht weiter bei der mangelnden Digitalisierung sowie verkrusteten Strukturen und endet bei einer Haltung, die wie im Beispiel der Supernanny auf autoritären Strukturen beruht. Aber mal ehrlich: Können wir so optimistisch in die Zukunft blicken? Können es unsere Kinder?

„Heute Kind – morgen stark“ – von Zukunftsmut und einer neuen Haltung
Kristin spricht in ihrem Buch von Zukunftsmut, der wichtig für Kinder ist. Ich liebe dieses Wort! Wie aber sollen sie diesen erlangen, wenn wir ihn nicht vorleben oder Räume schaffen, in denen das möglich ist? Viele Lehrkräfte haben bereits damit begonnen, ihre Haltung gegenüber Schule und den Beteiligten zu verändern. Die Autorin lädt Eltern dazu ein, dies ebenso in ihrer Familie und ihrer Erziehung zu tun.
Es geht in dem Buch um eine Neuausrichtung von Positionen. Um eine Begegnung auf Augenhöhe, in der Eltern und Kinder zu Erziehungspartnern werden. Genauso, wie Schüler und Lehrkräfte zu Lernpartnern werden. Natürlich muss es im Zusammenleben Grenzen geben und Regeln müssen eingehalten werden. Aber es ist etwas anderes, wenn ich diese gemeinsam bespreche oder einfach von oben herab bestimme. Das ist die grundsätzliche Haltung, die Kristin anspricht und die dieses wundervolle Buch wie ein roter Faden durchzieht.
Von der Schulentwicklung zu einer veränderten Erziehung
Und hier beginnt die Verbindung von Schulentwicklung zum Elternhaus. Wenn wir uns um Erziehung kümmern, müssen wir uns fragen, welche Fähigkeiten und Stärken wir fördern möchten? Welche Potenziale möchten wir wecken? Mit welchen Skills sollen unsere Kinder optimistisch in die Zukunft blicken? Hier reicht Kristin uns Eltern die Hand, indem sie für die Herausforderungen in einer veränderten Welt sensibilisiert, in der die Digitalisierung eine immer größere Rolle spielt.
Diesen beschleunigten Wandel erläutert sie eindrücklich am Beispiel ihrer vier Kinder, die in unterschiedlichen digitalen Welten aufgewachsen sind, obwohl nur wenige Jahre zwischen ihnen liegen. Wir befinden uns in einer Beschleunigungsspirale. Das bedeutet, dass die technischen Möglichkeiten immer umfangreicher werden, und die Einführung von KI alles verändert. Das betrifft unsere Arbeitswelt als auch die Fähigkeiten, die wir für sie benötigen.
Vertrauen und ein neuer Blick auf Erziehung
Aber was ist nun unsere Aufgabe als Eltern in diesen sich schnell ändernden Zeiten? Es braucht einen neuen Blick, der vielen von uns Eltern zugegebenermaßen schwerfällt. Wir möchten gerne die Kontrolle behalten und haben Angst davor, unsere Kinder in der digitalen Welt zu verlieren. Dabei brauchen wir vor allem Vertrauen in uns und unsere Kinder. Wir dürfen einsehen, dass wir voneinander lernen können, anstelle für alles eine Antwort zu haben.
Unsere Kinder brauchen das Gefühl, dass sie sich ausprobieren dürfen. Hier gelangen wir in den Bereich der Selbstregulation. Kinder sind von Natur aus neugierig. Basiert Lernen auf dieser Basis, sind die Ergebnisse tiefer und nachhaltiger. Gerade im Hinblick auf KI und Bildung bietet dies großartige Möglichkeiten.
Vom Konsumenten zum Regisseur des eigenen Lebens
Wir könnten die Meinung vertreten, dass KI uns alles vorgibt und dass sie uns das Denken abnimmt. Das wäre der Weg zum reinen Wissenskonsumenten, den niemand ernsthaft möchte. Die Kunst besteht also darin, das Werkzeug KI so zu nutzen, dass es uns zum Vorteil ist. Und hier beginnt das Umdenken. Wenn ich lerne, die richtigen Fragen zu stellen, dann erhalte ich differenzierte Antworten. Wenn ich lerne zu hinterfragen, fördert es mein flexibles Denken. Ich beginne, mich selbst in meinem Tun zu beobachten und beginne damit, Strategien im Umgang mit der digitalen Welt anzuwenden.
Genau das ist ein verantwortungsvoller Umgang mit KI, der so wichtig ist. Diese Haltung mit einer gewissen Flexibilität, einer Neugier, einer Lösungskreativität und Resilienz kann innerhalb der Familie geübt werden. Auch hier geht es darum, dass die Kinder keine Erziehungsmaßnahmen konsumieren, sondern selbst ein Teil davon werden. Das gelingt, wenn sich alle Beteiligten auf Augenhöhe begegnen und bereit sind, voneinander zu lernen.
Fragen stellen erhöht die Selbstwirksamkeit
Kristin erzählt in ihren zahlreichen familiären und schulischen Beispielen davon, dass sie oft Antworten herunterschlucken musste und stattdessen Fragen gestellt hat. Sie verdeutlicht damit einen wichtigen Moment, in dem Erziehungsmuster sich ändern. Weg von: „Mach das so und so“ hin zu: „Welche Möglichkeiten siehst du hier?“
Wir helfen den Kindern mit einer neuen Haltung dabei, sich selbst und ihre Bedürfnisse besser wahrzunehmen. Wir nehmen einen anderen Blick ein und ziehen andere Lösungen in Betracht. Diese können Spaß machen und ganz anders sein, als die üblichen Ergebnisse. Kristin zeigt an konkreten Beispielen, wie dadurch die Selbstwirksamkeit erhöht wird und die Eigenverantwortung Platz nimmt.

10 Zukunft-Skills für ein eigenverantwortliches Leben
Kristin lädt uns Eltern dazu ein, die Kinder spielerisch und echt in der individuellen Entwicklung zu begleiten. Dazu gehört auch, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, zu benennen und damit umzugehen. Wir Eltern dürfen dabei eine Menge über uns lernen und Neues entdecken. Mit dieser Haltung erhalten wir die Chance, das Leben gemeinsam zu erforschen. Wir werden zum Regisseur unserer eigenen Welt.
„Kinder lernen am meisten, wenn sie über ihr eigenes Lernen nachdenken“, schreibt Kristin in ihrem Buch (Seite 124). Das fasst gut zusammen, was die Kinder auf ein selbstorganisiertes und eigenverantwortliches Leben vorbereitet. Dafür formuliert Kristin 10 Zukunft-Skills, die helfen, unsere Kinder stark zu machen.

Ein starkes Fundament für die Zukunft unserer Kinder
Begriffe, wie Fleiß, Ordnung, Anpassungsfähigkeit oder Disziplin sucht man in ihrer Auflistung vergeblich. Stattdessen geht es um Resilienz und Optimismus, Kommunikation, Innovationskraft und kreatives Problemlösen, Wertebewusstsein und digitale Verantwortung, flexibles Denken, digitale und soziale Kompetenz sowie Zukunftsmut. Allein an diesen Begriffen sehen wir, wie anders der heutige Fokus auf Erziehung liegt. Das ist auch logisch, denn du wirst sicher zustimmen, dass es genau diese Fähigkeiten sind, die Kinder in der späteren Arbeitswelt benötigen.
Diese Unterkapitel sind mit Fragen, Möglichkeiten und Erzählungen aus der eigenen Praxis angereichert und münden in Empfehlungen, die leicht im Alltag umsetzbar sind. Sie reichen dem Lesenden die Hand, es direkt auszuprobieren und daran zu wachsen. Es ist eine Erziehung, die Spaß machen darf, die hinterfragt, die ausprobiert und die auf einem wertschätzenden und offenen Fundament aufgebaut ist.
Die ersten Schritte erfordern Mut
Wir Eltern sind Zukunftsbegleiter. Das Wort setzt Kristin bewusst als Überschrift in ihrem dritten Kapitel ein. Für mich gibt es keinen schöneren Ausdruck als Alternative für Erziehung. Während der Blick in den ersten beiden Kapiteln auf den Kindern und der Familie lag, lenkt sie den Blick hier auf uns selbst. Was ist unsere Rolle? Wie beginnen wir? Welche Fehler können wir machen?
Diese beantwortet Kristin auf sensible Weise, denn sie weiß als Mutter genau, wovon sie spricht. Sie weiß, dass es uns Eltern schwerfällt, loszulassen und dem Prozess zu vertrauen. „Mut wächst in kleinen Momenten“ schreibt Kristin (Seite 175). Damit meint sie die noch so kleinen Schritte unserer Kinder, aber ich denke, das gilt auch für uns selbst. Unsere Kinder brauchen dazu lediglich eine sichere Basis. Einen Hafen, von dem aus sie die Welt entdecken können und zu dem sie jederzeit zurückkehren können.
Verantwortungsvoller Umgang mit KI und Co dank der Zukunft-Skills
Wenn Kinder sich entdecken dürfen, entwickeln sie Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten. Sie lernen, dass Fehler Wegbegleiter sind und morgen die Sonne trotzdem wieder aufgeht. Das Forschen erleben sie als Abenteuer und wissen, dass sie selbst aktiv werden dürfen. Durch kreatives Gestalten finden sie neue Wege und lernen, mit Problemen umzugehen.
Genau das bildet eine solide Basis für das Lernen in der Schule, um den geöffneten Kreis wieder zu schließen. Vor allem gibt es ihnen Sicherheit für das Bewegen in digitalen Welten. Arbeiten nun also diese Kinder in der Schule und auch sonst mit KI, sind sie bestens darauf vorbereitet. Das dank ihres Fokus auf die genannten Zukunft-Skills in einer digital geprägten Welt mit zahlreichen neuen Möglichkeiten. Sie werden mit KI damit verantwortungsvoll, kreativ, flexibel und kritisch umgehen können.
Mein Fazit zu Kristin van der Meers Buch „Heute Kind – morgen stark“
Ich bin wirklich begeistert von diesem Buch. Zum einen liebe ich den offenen, modernen und zugewandt-liebevollen Schreibstil von Kristin, der trotzdem klar auf den Punkt ist und keine Fragen offenlässt. So stelle ich mir einen Erziehungsratgeber vor, der mich als Elternteil abholt, meine Bedenken ernst nimmt und mir Mut macht, Neues auszuprobieren. Und mich meine Kinder in einem neuen Licht sehen lässt.
Da meine Kinder bereits erwachsen sind, wünschte ich mir wieder einmal, dass ich diesen Ratgeber 15 Jahre früher hätte lesen dürfen. Er hätte mich sicher in meinem Handeln bestärkt, da unsere hochbegabten Kinder anders waren. Ratschläge – und ich benutze das Wort an dieser Stelle bewusst – der Supernanny und auch der Erziehungsberatung, die wir in Anspruch genommen hatten, liefen bei uns ins Leere.
Haben wir Supernanny-geprägten Eltern alles richtig gemacht?
An Einzelheiten kann ich mich in unserer Erziehung nicht mehr erinnern. Auch wenn mich das anfangs beschriebene Gefühl beschlich, vieles falsch gemacht zu haben, so blicke ich heute auf meine großen Jungs und sehe, dass wir Vieles richtig gemacht haben. Unsere Kinder sind Meister im Hinterfragen, haben ihren eigenen Kopf, sind kritisch, gehen selbstverständlich aber auch flexibel mit KI um und sind äußerst kreativ, neugierig und wissbegierig.
Einfach deshalb, weil wir es irgendwann anders gemacht und losgelassen haben, so, wie es Kristin in ihrem Ratgeber oft beschreibt. Ich denke, das ist der wichtigste Grundgedanke. Jede Familie hat ihre eigenen Regeln. Gerade Eltern von neurodivergenten Kindern lernen das oft auf schmerzvolle Weise. Aber im Hinblick auf die von Kristin formulierten 10 Zukunft-Skills können wir auch diesen Kindern alles mitgeben, was wichtig für ihre Zukunft ist. Vor allem hochbegabte Kinder fordern diese Dinge von sich aus oft ein und halten sich selten an gesellschaftliche Konventionen und Normen.
Wie sich Schulentwicklung auf die Erziehung auswirkt
Ein letzter Gedanke von mir. Ich spreche oft von Inklusion von Hochbegabten in der Schule. Dazu gehören Maßnahmen, die vor einem Underachievement schützen sollen. Selbstreguliertes Lernen, welches Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit fördert, gehört in jedem Fall dazu. Wenn Lehrkräfte mutig sind, ihren Unterricht dahingehend zu öffnen, gehen Sie einen wichtigen, ersten Schritt.
Was aber noch wichtiger ist: Diese Maßnahmen dienen letztendlich allen Schülerinnen und Schülern im Sinne einer allseits gerechten Bildung. So, wie sich Schule dahin entwickelt, verändern auch Eltern nach und nach ihre Sichtweise auf Erziehung. Prägungen und Glaubenssätze, die sie von Eltern und Großeltern übernommen haben, dürfen jetzt hinterfragt werden.
Ein Erziehungsratgeber für einen neuen Blick auf unsere Kinder
Die Gesellschaft hat sich verändert, die Beschleunigungsspirale in unserer Gesellschaft wirkt sich auf die Bildung aus. Dass dies in der Familie nun auch ankommt, ist für mich eine logische Schlussfolgerung. Das ist der Grund, warum ich nach der Lektüre verstehe, warum Kristin in ihrem Buch nicht über KI in der Grundschule geschrieben hat.
Vielmehr verlagert Kristin den Schwerpunkt mit diesem großartigen Buch in die Familien. Denn hier wird der Grundstock gelegt, wie unsere Kinder sich entwickeln und mit welcher Haltung sie selbst auf ihr Leben blicken. Das Buch ist grundsätzlich für alle Eltern empfehlenswert. Vor allem aber Eltern von neurodivergenten Kindern werden hier wertvolle und hilfreiche Anregungen finden, die jenseits des althergebrachten Erziehungsmainstreams sind.

Heute Kind - morgen stark von Kristin van der Meer - 10 Zukunfts-Skills, die dein Kind braucht.
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