Wenn wir über Lehrkräfte sprechen, erfahren wir meist nur Negatives. In diesem Jahr dachte ich anlässlich meiner Blogparade, ich drehe den Spieß einmal um. So habe ich im Juni dazu aufgerufen, eine Geschichte zu erzählen. Eine Erinnerung an eine Lehrkraft, die dich oder dein Kind besonders gefördert hat. Ich wollte wissen, was Lehrkräfte tun, wenn sie wirklich etwas bewirken. Die Ergebnisse haben mich sehr berührt, denn entstanden sind 6 berührende Geschichten, die alle um denselben Kern kreisen. Lehrkräfte können Türen öffnen und Leben verändern. Das ist mit den Geschichten deutlich geworden, die ich dir heute und hier als Ergebnis meiner Blogparade 2026 präsentieren möchte.
Überblick: Diese Beiträge sind bei meiner Blogparade entstanden
- Jennifer Dillmann: Herr Hempel und das Maldiktat
- Sona Terlohr: Wie eine Schulleiterin aus einem „Störenfried“ eine Assistenz machte
- Silke Schwerdtfeger: Mein Mathematiklehrer – wie Vertrauen und Verantwortung meinen Weg prägten
- Marianne Rott: Meine Drei in Englisch – und der Lehrer, der mir eine Tür öffnete
- Dina Mazzotti: Otto Schmid – eine Lehrperson, die mich geprägt hat
- Susanne Burzel (eigener Beitrag): Erinnerungen an eine besondere Lehrkraft – und was Lehrkräfte so besonders macht
Jennifer Dillmann: Herr Hempel und das Maldiktat

Jennifer Dillmann war die erste, die auf meine Blogparade mit einem eigenen Beitrag über ihren Kunstlehrer antwortete. Sie erzählte eine Begebenheit mit Herrn Hempel in der Grundschule. Mit einem besonderen „Maldiktat“ gab Herr Hempel Schritt für Schritt feste Anweisungen: Farben und Formen, ein roter Punkt in der Mitte, eine blaue Schlange und ein gelbes Quadrat. Das Ergebnis überraschte, denn am Ende sah jedes Bild anders aus, obwohl alle von derselben Vorgabe gestartet waren.
Sie schreibt über diese Situation: Herr Hempel war „der erste Lehrer, der mir das Gefühl gab, dass ich okay bin.“ Ich finde das sehr wertvoll, insbesondere im Hinblick darauf, dass Jennifer heute als Therapeutin arbeitet und in ihrer eigenen Arbeit dieselbe Haltung wiedererkennt: wertschätzen, was da ist, ermutigen und den Menschen vermitteln, dass sie okay sind, wie sie sind.
Sona Terlohr: Wie aus einem „Störenfried“ eine Assistenz wurde

Sonas Artikel hat mich ganz besonders berührt. Denn sie erzählte nicht von sich, sondern von ihrem Sohn. Sie schrieb über seine Schulleiterin, die ihr auffälliges, störendes Kind eben nicht in die bequeme Schublade „Störenfried“ steckte. Stattdessen beobachtete sie ihn genau und erkannte, dass dieses Kind etwas anderes brauchte als weitere Ermahnungen.
So übertrug sie ihm Verantwortung und ernannte ihn zur Assistenz der Schulleitung. Seit dieser Zeit fügte er sich besser in das Schulgeschehen ein, was sicher auch daran liegt, dass er sich gesehen und ernst genommen fühlte. Das Schönste ist: Für Sona, die heute selbst als Coach mit Eltern und Schulen arbeitet, war das eine prägende Lektion. Sie sieht heute Talente statt Defizite, was nicht nur den Schulalltag eines Kindes verändert, sondern seinen ganzen Blick auf sich selbst.
Silke Schwerdtfeger: Vertrauen, das nicht gesagt, sondern gelebt wurde

Silke Schwerdtfeger ist selbst Pädagogin und schreibt über ihren Mathematiklehrer, der sie von der 7. bis zur 10. Klasse begleitete. Sie war eine ruhige, aber zurückhaltende Schülerin. Ihr Lehrer sah jedoch ihre Fähigkeiten und übertrug ihr verantwortungsvolle Aufgaben. Sie durfte ihre Klasse gegenüber der Schulleitung vertreten und organisatorische Aufgaben übernehmen.
Sie leitete irgendwann eine Grundschulgruppe und wurde davon sogar vom Unterricht freigestellt. Erst viele Jahre später wurde ihr bewusst, wie sehr sein Vertrauen, seine Erwartungen und die gemeinsame, positive Beziehung ihren eigenen Weg geprägt haben. Heute ist sie selbst Lehrerin, Schulleiterin und Lerncoach und gibt genau diese Haltung weiter.
Marianne Rott: Der Englischprofessor, der ihr trotz einer Drei eine Tür öffnete

Marianne Rott erzählt in ihrem Beitrag zu meiner Blogparade von ihrem ehemaligen Englischprofessor. Gerade weil sie sich nur als mittelmäßige Schülerin sah, überraschte es sie umso mehr, dass der Professor ihr eine Nachhilfeschülerin anvertraute. Er sah offenbar mehr in ihr, als die Note es vermuten ließ.
Sie erzählt noch von einem anderen Lehrer, der hinter den Schülern stand, egal, was sie anstellten. Diese zugewandte Haltung hinterließ bleibenden Eindruck bei ihr. Sie schreibt: „Der eine sah meine Fähigkeit. Der andere den Menschen dahinter.“ Diese Erlebnisse haben ihr unbewusst den Weg in die Pädagogik geebnet und Marianne lebt mit ebendieser Haltung ihre Berufung.
Dina Mazzotti: Otto Schmid – der Lehrer, der zeigte, dass Schule mehr sein kann als Noten

Dina Mazzotti erzählt eine bittersüße Geschichte ihrer Schulzeit. In der Grundschulzeit prägte sie ihr Lehrer mit der Möglichkeit zum selbstgesteuerten Lernen, mit Projektunterricht und seiner Haltung, die alles in Frage stellte, was als selbstverständlich galt. Er sah ihr Potenzial und setzte sich vehement dafür ein, dass Dina ein Gymnasium nach der 6-jährigen Grundschule besuchen sollte.
Sie entschied sich anders und besuchte eine andere Schule. Zu ihrem Leidwesen, denn diese Schule war das Gegenteil von dem, was sie vorher erlebt hatte. Sie erlebte Anpassungsdruck, Reproduktion von Wissen und Konformität. Diese Erfahrungen haben sicher dazu beigetragen, dass sie heute hochbegabten Kindern und Familien hilft, die vor großen Herausforderungen stehen.
Susanne Burzel: Meine eigene Erinnerung an Frau Welsch

Auch ich habe mich gefragt, welche Lehrkraft ich für meinen eigenen Beitrag zu dieser Blogparade auswähle. Am Ende blieb es bei meiner Grundschullehrerin Frau Welsch. Konkrete Anlässe habe ich davon kaum noch im Kopf. Was bleibt, ist ein Gefühl von Geborgenheit, Zuflucht und Gesehen werden. Sie hat mich durch meine Grundschulzeit getragen.
Denn auch ich fühlte mich oft nicht zugehörig und zweifelte oft an mir selbst. Frau Welsch konnte dies wenigstens im Rahmen der Grundschule auffangen und hat mir einen guten Start in meine weitere Schullaufbahn geebnet.
Meinen ganzen Beitrag liest du hier
Was diese sechs Geschichten gemeinsam haben
Diese sechs Geschichten zeigen, worauf es in der Schule wirklich ankommt. Vergessen sind Lerninhalte und Methoden, Arbeitsblätter und Klassenarbeiten, Noten und Zeugnisse. Was wirklich in Erinnerung bleibt, sind Menschen, die eine besondere Haltung transportieren. Die neue Wege gehen und Dinge hinterfragen, die für andere selbstverständlich sind.
Das Eindrucksvollste für mich war dabei, dass diese Lehrkräfte die beruflichen Entscheidungen stark beeinflusst haben. Denn alle der Teilnehmerinnen, mich eingeschlossen, haben etwas mit Pädagogik zu tun. Das geschah nicht durch brillante Noten und ein hohes Wissen, sondern dadurch, dass wir alle uns gesehen fühlten, dass uns vertraut wurde und dass uns mehr zugetraut wurde, als wir uns selbst zutrauen.
Wenn Lehrkräfte neue Türen öffnen und Leben verändern
Ich wünsche mir, dass dies viele Lehrkräfte lesen. Denn es sind die kleinen Dinge, die Kinder aufblühen lassen. Ein freundliches Wort, ein High-Five, ein „Wie geht es dir?“ und echtes Interesse am Kind. Es ist die eine Minute zwischendurch, in der ein kleines Gespräch entsteht. Oder die besondere Aufgabe oder Verantwortung, die dem Kind übertragen wird.
Diese Haltung schafft Selbstvertrauen. Gerade für hochbegabte oder neurodivergente Kinder, die oft anecken, ist diese Haltung so wichtig. Sie müssen und dürfen sich gesehen fühlen, bei all der Kritik, die sie eh schon erhalten. Daher sage ich von Herzen danke für diese berührenden Geschichten! Wenn auch du eine Lehrkraft im Kopf hast, die dich oder dein Kind besonders gefördert hat: Schreib sie gerne in die Kommentare. Solche Geschichten dürfen in die Welt.






















Liebe Susanne,
was für eine schöne Zusammenfassung! Du hast genau den Kern getroffen, der Blick auf Talente statt Defizite, das ist bis heute mein Leitgedanke im Elterncoaching🩷. Danke, dass du der Geschichte so viel Raum gegeben hast, das freut mich richtig.
Und toll, was für unterschiedliche Lehrkräfte-Geschichten bei deiner Blogparade zusammengekommen sind, liest sich wie ein Beweis dafür, wie viel eine einzige tatsächlich Lehrkraft bewirken kann.
Herzlichen Dank und liebe Grüße
Sona
Liebe Sona,
das freut mich sehr und danke nochmal für deine sehr berührende Geschichte!
Alles liebe, Susanne