Natürlich hat mich der Aufruf zur Blogparade von Dr. Hanna Steffen direkt angesprochen. Es geht in ihrem Aufruf um das Finden eines Schlüssels, der endlich die richtige Tür öffnet. Wie sehr dies mein eigenes Leben als spät erkannte hochbegabte erwachsene Frau prägt, möchte ich in diesem Beitrag zu ihrer Blogparade zeigen.
Im Grunde genommen sind es jedoch drei Schlüssel, bzw. drei Gamechanger-Momente, die alles maßgeblich veränderten. Mein Leben empfinde ich als eine große spannende Reise. Mittlerweile fühlt es sich sogar so an, als wäre ich auf einem großen Abenteuerspielplatz.
Es gibt vieles, was ich in meinem Leben ausprobiert habe. Ich habe Grundschullehramt studiert, eine Diskothek geleitet, eine Ausbildung zur Werbekauffrau gemacht, BWL studiert und leite eine eigene Werbeagentur. All diese Stationen haben mich zu der Frau gemacht, die ich heute bin. Es ist, als würde sich der Kreis schließen.
Gamechanger 1: Unser Familienleben mit neurodivergenten Kindern
Zwischendrin habe ich meine beiden Kinder bekommen. Das Leben mit ihnen blieb immer spannend, denn sie waren ganz und gar nicht so wie andere Kinder. Sie hatten ihre Eigenheiten, später prägte sich das in Passungsproblemen in Kindergarten und Schule aus. Während der ältere Sohn sehr wild und nie genug Wissen anhäufen konnte, war der jüngere sehr sensibel und philosophierte bereits früh sehr gerne.
Letztendlich mündete all das in Schulproblemen und schließlich in Schulverweigerungen. Wir haben viele schwierige Phasen erlebt und ich war immer froh über meine Selbstständigkeit. Das verschaffte mir viel Zeit, mich um die Kinder zu kümmern. Als Mutter wünscht man sich Kinder, die ihren Weg machen, sich gut anpassen und irgendwann ihr eigenes Leben gestalten. Das schien bei uns etwas holpriger zu laufen.
Von Diagnostiken und Förderanträgen
Dass dies in unserer Familie nicht so einfach und reibungslos lief, wurde mit den Jahren klar. Du ahnst nicht, wie viel ich in den Jahren dazugelernt habe, was mein grundlegendes Verständnis und den Blick auf die Menschen verändert hat. Denn unser Familienleben war geprägt von ADHS-Diagnostiken, Klinikbesuchen, Reha, Förderanträgen, Jugendamtsanträgen und Schulwechsel.
Das strengt an, doch es öffneten sich in dieser Situation immer wieder neue Türen für uns. Ich gab niemals auf, suchte stets nach neuen Lösungen und fand sie auch. Und so kommt es mir vor, als hätte ich einen ganzen Schlüsselbund in der Hand. Du weißt schon, so einen, wie Lehrkräfte haben, mit Schlüssel für alle Türen der Schule. Diese Jahre hinterließen Spuren. Aber auch Wünsche, und so kam ich irgendwann auf die Idee, ein Buch zu schreiben.
Lies unsere persönliche Geschichte hier inkl. 2 Jahre Schulverweigerung.
In meinem Buch "Hochbegabt gescheitert - und neue Türen öffnen sich" kannst du mehr über all die Herausforderungen, die wir bewältigen mussten, erfahren.
Bei Amazon - oder im Buchhandel erhältlich: ISBN 978-3982620169

Gamechanger 2: Mein Buch „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“
Erst spät wurde die Hochbegabung unserer Kinder entdeckt. Der ältere wurde mit 16 Jahren hochbegabt getestet, als er bereits fast ein Jahr in der Schulverweigerung war. Der jüngere forderte den Test mit 14 Jahren ein, da er „auch so einen Test“ wie sein Bruder machen wollte. Nach einem weiteren Jahr, als unser älterer Sohn gerade 17 Jahre alt wurde, durfte er endlich nach langem Ringen eine Förderschule für Hochbegabte, bzw. twice exceptional (2e) besuchen.
Als diese Nachricht kam, war ich das erste Mal so richtig erleichtert. Ich legte den großen Schlüsselbund aus der Hand und ergriff den Stift. Der erste Satz meines Buches war geboren. Ich wusste, aus diesem Satz wird eine ganze Dokumentation unserer Geschichte. Es war mir wichtig, unsere Erlebnisse festzuhalten, denn ich spürte schon die ersten leisen Gedanken: „Ach, das war doch alles gar nicht so schlimm“.
Aus dem Buch wurde ein neues Business
Aus dem ersten Satz wurden 328 Seiten und ich beschloss, unsere Geschichte als Buch zu veröffentlichen. Der Titel verrät es: „Hochbegabt gescheitert – und neue Türen öffnen sich“. Wo wir wieder beim Thema wären. Tatsächlich gab es einen Schlüsselmoment, der mich zu dem Untertitel bewegte. Es war der Moment, als ich auf den Begriff „Underachievement“ stieß. Er erklärte mit einem Schlag, was mit unserem Sohn los war und warum der nicht mehr in die Schule gehen konnte.
Es öffnete sich eine neue große Tür, durch die wir gehen konnten. Dadurch eröffneten sich neue Möglichkeiten. Aber nicht nur innerhalb unserer Geschichte. Denn mein Buch öffnete auch für mich neue Türen. Ich begann, Lesungen zu machen, einen Blog über Hochbegabung und Underachievement zu schreiben, Bildungsforen zu besuchen und Workshops anzubieten. Mein Buch ist sozusagen der Schlüssel dafür, was ich heute tue: Über Hochbegabung und Underachievement zu sensibilisieren, Angebote dafür zu entwickeln und ordentlich am Schulsystem zu rütteln. Denn hier ist wenig Platz und Verständnis für unsere neurodivergenten Kinder.
Bullshit-Bingo "Hochbegabung” für genervte Eltern und neugierige Lehrkräfte.
Nie mehr sprachlos: 24 Mythen über Hochbegabung und ihre Auflösung.
Gamechanger 3: Mein später IQ-Test als erwachsene Frau
Wenn man in der Familie auf einmal mit Hochbegabung konfrontiert ist, macht das etwas mit einem. Ich kam mir jedoch eher als Beobachter in der Familie vor, was dieses Thema angeht. Denn mir war klar, dass die Hochbegabung nur die Männer in der Familie betrifft. Oder anders gesagt, dass die Kinder ihre Hochbegabung von ihrem Vater haben müssen.
Dass ich selbst hochbegabt sein könnte, kam mir nie in den Sinn. Dafür hielt ich mich einfach nicht klug genug. In meiner Recherche zu meinem Buch las ich aber von einer anderen Mutter in der gleichen Situation wie meine. Ich war sehr überrascht und das zu Lesen machte etwas mit mir. Was wäre, wenn…? Nein, den Gedanken schob ich gleich wieder weg. Und doch ließ er mich nicht los.
Eine Begabungsdiagnostik verändert und erklärt mein Leben
Und so fasste ich nach ein paar Wochen all meinem Mut zusammen und rief die Begabungsdiagnostikerin an. Sie wartete wohl bereits auf meinen Anruf, da sie auch meine Kinder getestet hatte. Und so stellte ich mich voller Angst meinem ersten IQ-Test. Ich war zu diesem Zeitpunkt bereits 53 Jahre alt. In diesem Artikel liest du noch mehr über diese Diagnostik.
Selbst hochbegabt zu sein, war ein weiterer Gamechanger für mich. Und so begann ich wie ein Puzzle meine Vergangenheit zu erklären und auch aufzuarbeiten. Auf einmal war mir klar, warum auch ich anders war als andere Kinder, obwohl ich wie viele hochbegabte Mädchen mich gut anpassen konnte und niemand eine höhere Begabung vermutete. Doch jetzt hatte ich eine Antwort auf vieles in meinem Leben.

Jeder trägt einen Schlüsselbund mit sich herum
In meinem Leben wird es nicht langweilig. Ich liebe die Gelegenheiten, die sich mir bieten und die ich ergreifen darf. Dass ich sehr unterschiedliche Erfahrungen machen durfte, macht mein Leben reich. Aber auch, dass ich heute mit meiner Geschichte und meinen Gamechanger-Erfahrungen anderen Menschen helfen kann.
Ich glaube, jeder trägt einen Schlüsselbund mit sich herum. Doch oft fehlt noch die richtige Tür, um diese zu öffnen. Anderen ist noch nicht einmal der Schlüsselbund bewusst. Aber das darf jeder für sich selbst entscheiden. In einem anderen Gamechanger-Moment, der bereits länger zurückliegt, habe ich gelernt, wie wichtig die Eigenverantwortung ist. Sie kann lebensverändernd sein.
Das Wichtigste für mich ist immer, die Bereitschaft hinzusehen, zu reflektieren, sich selbst zu regulieren und zu beobachten. In jedem von uns steckt ein großer Schatz und Herausforderungen im Leben sind eine schöne Möglichkeit, Neues dazuzulernen und sich weiterzuentwickeln. Daher bin ich gespannt, welche weiteren Türen auf mich warten. Den Schlüsselbund habe ich wieder in die Hand genommen und freue mich darauf, wenn wieder eine neue Tür aufgeht.






















Liebe Susanne,
Du bist ein ganz besonderer Schatz und ich finde Dich einfach klasse 👌👌👌👌😃
Also dann: FRISCH VORAN 😃
❤️lichst: Anna Katharina
Das ist lieb, liebe Anna Katharina 🙂