Hochbegabte Kinder stehen in der Schule oft vor großen Herausforderungen. Sie denken anders, nehmen anders wahr und sehen sich oft mit Passungsproblemen konfrontiert. Was können also Lehrkräfte tun, damit hochbegabte Kinder in der Schule gut ankommen und gut mitkommen? Daher möchte ich dir heute 9 Tipps an die Hand geben, wie du hochbegabte Kinder fördern kannst und die in der Schule wirklich funktionieren. Diese orientieren sich an den Merkmalen von Hochbegabung.
Lösungen für den Unterricht für hochbegabte Kinder
Das Vorurteil, dass hochbegabte Kinder immer gut durch die Schule kommen, und dass die Förderung von Hochbegabten ein Luxusproblem ist, hält sich leider immer noch hartnäckig. Leider auch bei vielen Lehrkräften, wie ich selbst bei einer Bildungsmesse erleben durfte, als einige Lehrkräfte an meinem Stand vorbeigingen und leicht spöttisch murmelten „Ja ja, bei uns sind auch alle hochbegabt…“
Natürlich gibt es Eltern, die bessere Noten einfordern im Glauben darin, dass ihre Kinder hochbegabt sein. Und natürlich nervt es Lehrkräfte, wenn diese Eltern in Elterngesprächen sitzen und diese Forderungen stellen. Auf der anderen Seite gibt es Eltern, die aus Angst vor Stigmatisierungen sich nicht trauen, sich für ihre hochbegabten Kinder einzusetzen. Die so wichtige Unterstützung bleibt ihnen verwehrt. Das Gute ist, dass eine besondere Begabung mit einem IQ-Test nachweisbar ist.
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Was macht hochbegabte Kinder so besonders?
Die Feststellung ist, dass diese Kinder nicht besser sind, sondern sie sind einfach anders. Aufgrund ihrer besonderen Merkmale passen sie oft nicht ins Schulsystem oder hadern zumindest damit. Da gibt es Kinder, meist Jungs, die zeigen ihre Unterforderung mit Verhaltensauffälligkeiten. Andere ziehen sich still zurück und passen sich nach unten an, was eine typische Eigenschaft hochbegabter Mädchen ist.
Wieder andere laufen unter dem Radar und passen sich einfach an, obwohl es sie große Mühe kostet. Hochbegabung hat viele Gesichter und by the way, die Herausforderungen beginnen nicht erst ab einem IQ von 130, sondern können bereits mit einer überdurchschnittlichen Begabung ab IQ 115 auftreten. Ein Blick auf das Begabungsprofil hilft zusätzlich dabei, Schwerpunkte und besondere Herausforderungen aufzudecken. Das ist bei unserem älteren Sohn der Fall – unsere Geschichte liest du hier.
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Merkmale hochbegabter Kinder bieten 15 Ansätze für einen gelingenden Schulalltag
Schauen wir uns in diesem Abschnitt ausgewählte Merkmale und Anzeichen von Hochbegabung an und überlegen, wie du als Lehrkraft diese im Unterricht auffangen kannst. Auch Eltern geben die folgenden 9 Tipps Hinweise, die sie an Lehrkräfte im Elterngespräch weitergeben können.
Merkmal 1: Schnelle Auffassungsgabe
Viele hochbegabte Kinder haben eine schnelle Auffassungsgabe. Sie verstehen Zusammenhänge schnell und manche haben ein fotografisches Gedächtnis. Du kannst dir vorstellen, wie sehr ich staunte, als unserer jüngerer Sohn 2 Seiten Vokabeln nach zweimaligem Durchlesen auswendig konnte.
Mit diesem Beispiel wird auch klar, welche Herausforderungen wir hier haben. Hochbegabte Kinder lehnen Wiederholungen und Übungen oft ab, weil sie es schon können. Das geht so weit, dass sie die Mitarbeit verweigern. Hier gebe ich dir 3 Tipps, wie du dem im Unterricht begegnen kannst:
Tipp 1: Enrichment statt Quantität
Verzichte bitte darauf, dem Kind als Enrichment-Maßnahme ein Mandala zum Ausmalen zu geben oder zusätzliche Aufgaben aus dem gleichen Spektrum. Das hochbegabte Kind wird sich fragen, warum es gerade so bestraft wird. Trau dem Kind größere, komplexere oder weiterführende Aufgaben zu. Es könnte ein Thema auch aus einer ganz anderen Perspektive beleuchten. Du darfst überrascht sein, welche ungewöhnlichen Denkansätze hier sichtbar werden.
Tipp 2: Lernpartner- oder Tutoren-Rolle
Wenn die sozialen Stärken eines Kindes stark ausgeprägt sind, könnte es als Lernpartner oder Pate für ein anderes Kind fungieren. Es könnte Mitschülern, die Hilfe benötigen, Inhalte erklären. Das stärkt soziale Kompetenzen und vertieft ganz nebenbei das eigene Verständnis. Unser jüngerer Sohn war damals in seiner Rolle als „Souffleur“ für seinen Sitznachbarn, der in allem etwas mehr Zeit brauchte, glücklich. Allerdings brach für ihn eine Welt zusammen, als die Lehrerin ihn nach 3,5 Jahren wegsetzte und er fiel in ein tiefes Loch.
Tipp 3: Akzeleration
Akzeleration bedeutet Beschleunigung. Das bedeutet, dass hochbegabte Kinder die Möglichkeit erhalten, den Unterrichtsstoff in beschleunigter Form zu sich nehmen können. Dafür eignet sich zum einen das Drehtürmodell innerhalb der Schule. Das Kind darf z. B. den Matheunterricht der nächsthöheren Klasse besuchen. Oder gleich eine ganze Klasse überspringen. Es ist eine sensible Entscheidung, aber das Kind könnte sich in der Schule wesentlich wohler fühlen, wenn es kognitiv gefördert wird.

Merkmal 2: Sensibilität und Empathie
Viele hochbegabte Kinder besitzen eine besondere Sensibilität. Sie nehmen ihre Umwelt feiner wahr als andere. Diese Reizoffenheit ist eine besondere Herausforderung. Auf der einen Seite hilft sie dabei, dass sie komplexere Zusammenhänge leichter erkennen können und ein hohes Interesse an Wissenstiefe oder -breite haben.
Auf der anderen Seite bringt diese Reizoffenheit ein stärkeres Gespür für andere Menschen und ihre Umgebung mit. Nicht selten geraten hochbegabte und hochsensible Kinder in eine Überforderung und benötigen Rückzug. Die Stärken dieser Sensibilität kannst du jedoch in der Schule mit diesen 3 Tipps berücksichtigen.
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Tipp 4: Verantwortungsrollen übertragen
Hochbegabte Kinder haben oft einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Das macht sie zu guten Kandidaten für einen Klassensprecher oder Streitschlichter. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass nicht jedes Kind sich in so einer öffentlichen Rolle wohlfühlt. Es kann aber ein Motor sein, ihre Empathie als Stärke sichtbar zu machen.
Tipp 5: Reflexionsgespräche anbieten
In einigen Schulen bieten Lehrkräfte ihren Schülerinnen und Schülern regelmäßige Coachinggespräche an. Hier geht es weniger um die fachlichen Themen, sondern um persönliche und emotionale. Für hochsensible Kinder ist dies eine schöne Möglichkeit sein, Zeit allein mit der Lehrkraft zu verbringen und sich gesehen zu fühlen. Das kann ihren Selbstwert enorm steigern.
Tipp 6: Reizarme Rückzugsmöglichkeiten schaffen
Gerade wenn alles zu viel wird, benötigen hochsensible Kinder Rückzug und Ruhe zum Erholen. Zum Beispiel, wenn die Klasse zu laut oder zu viel wird. Eine gemütliche Rückzugsecke im Klassenraum, Kopfhörer und ein Buch zum Lesen oder ein Podcast zum Hören ermöglicht diesen Kindern eine beruhigende Auszeit. Hier können sie neue Kraft sammeln.

Merkmal 3: Perfektionismus
Was denkst du über das Kind, wenn es langsam arbeitet und nicht „zu Potte“ kommt? Denkst du, dass es die Aufgabe nicht verstanden hat? Oder dass es mehr Anleitung braucht? Vielleicht auch, dass es einfach länger braucht, weil es motorische Defizite hat oder zu viel träumt? Möglicherweise steckt aber auch ein Perfektionismus dahinter. Stell dir vor, du willst alles perfekt machen und hast Angst davor, dich zu blamieren. Du wirst sehr lange überlegen, bis du die perfekte Antwort gibst, bei der du dir sicher bist, dass sie richtig ist.
Vielleicht hast du auch hohe Ansprüche an dich selbst, wenn du ein Bild malen willst. Du weißt von Vornherein, dass du das Bild im Kopf niemals so auf das Papier bringen wirst. Also lässt du es direkt sein. In diesen Fällen steckt ein hoher Perfektionismus dahinter, der diese Kinder begleitet. Hier meine 3 Tipps, wie du diesem im Unterricht begegnen kannst.
Tipp 7: Growth Mindset aktiv einbauen
Das Konzept des Growth Mindset, worüber du hier mehr lesen kannst, stellt den Entwicklungswillen mit einem Wachstumsdenken in den Vordergrund. Wenn das Kind sagt: „Ich kann es nicht“ ist es sinnvoll zu sensibilisieren: „Du kannst es noch nicht“. Das lenkt den Blick auf die Entwicklung von Fähigkeiten. Eine positive, wertschätzende und wohlwollende Kommunikation bildet die Basis.
Tipp 8: Prozess vor Ergebnis betonen
Du könntest dem Kind sagen: „Du bist so schlau“. Aber das hilft dem Kind nicht, sondern baut unnötig Druck auf. Hier gilt es den Prozess zu betonen: „Prima, da hast du dir so richtig Mühe gegeben“. Das fördert die Anstrengungsbereitschaft, die viele hochbegabte Kinder aufgrund ihres Pragmatismus weniger ausprägen. Das heißt, bewerte nicht den Zustand, sondern lobe den Prozess, den Denkweg und die Herangehensweise.
Tipp 9: Zeitdruck reduzieren
Hast du schon einmal im Schulgesetz gelesen, wie Klassenarbeiten explizit ablaufen sollen? In einigen Bundesländern sind die Rahmenbedingungen sehr offen formuliert. Damit stehen dir als Lehrkraft alternative Möglichkeiten der Leistungsbewertung offen. Wenn das Kind unter Zeitdruck nicht gut arbeiten kann, könnte es stattdessen eine Projektarbeit erstellen, eine Portfolio-Präsentation oder ein Video drehen. Du darfst hier sehr flexibel sein.

Hochbegabte Kinder brauchen Förderung
Ich weiß sehr gut, welchen Herausforderungen Lehrkräfte im Schulalltag in den Zeiten der Superdiversität gegenüberstehen. Daher gilt mein höchster Respekt für sie und ihre wertvolle Arbeit. Es ist sicher nicht einfach, alles zu bewältigen und jedem Kind gerecht zu werden.
Auf der anderen Seite stehen wir Eltern, die ein hochbegabtes Kind durch die Schule bringen sollen. Die Schulpflicht sitzt uns in einem System, welches auf neurotypische Kinder ausgerichtet ist, im Nacken. Wichtig ist, dass wir uns in der Mitte treffen und trotzdem versuchen, das Beste für unsere Kinder herauszuholen. Wir alle müssen uns bewegen und flexibel mit der Situation umgehen.
Beziehungsarbeit ist ein wichtiges Fundament
Die Maßnahmen, die für hochbegabte Kinder hilfreich sind, sind es letztendlich für alle Schülerinnen und Schüler. Und oft bedeutet das eine Öffnung des Unterrichts in Richtung selbstreguliertes und selbstorganisiertes Lernen. Auch der Einsatz von KI bietet hier fantastische Möglichkeiten.
Ein Punkt ist aber der Wichtigste bei all den Maßnahmen und Tipps, von denen ich geschrieben habe. Die Beziehungsarbeit und die Haltung der Lehrkräfte aber auch der Eltern bilden ein wichtiges Fundament in der Zusammenarbeit mit den Kindern.
Wenn sich diese gesehen und ernst genommen fühlen, ist das ein großer Schritt vor allem für hochbegabte Kinder. Damit stärken wir ihren Selbstwert und sorgen dafür, dass sie ihren Platz im Schulsystem finden können. Denn mit einem offenen Herzen, mit Liebe, Wertschätzung und Kreativität können wir gemeinsam bewirken, dass unsere Kinder ihre PS auf die Straße bringen können.

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Um es auf den Punkt zu bringen: Ich möchte etwas bewirken, was die Themen Hochbegabung und Underachievement angeht. Aus diesem Grund habe ich Angebote definiert, wie du mit mir zusammenarbeiten kannst.
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Wow, ein sehr toll aufgebauter Blog-Artikel! Super umfangreiche Inhalt mit tollen Impulsen. Man merkt, dass du schon eine erfahrene Bloggerin bist (im Gegensatz zu mir). Die Sidebar rechts ist klasse mit Buchtipps und Werbung. Finde ich richtig gut.Sehr ansprechende Fotos und auch immer wieder die Buchtipps, die du einfügst sind absolut passend platziert! Das war bisher der beste Blogartikel, den ich hier kommentieren durfte. Chapeau!
Liebe Nicole,
wow, das ist ein wirklich schönes Lob von dir, danke! Mein Geheimnis: Dranbleiben und immer wieder optimieren. 🙂
Für dich alles liebe!
Susanne